Kolumbianer stimmen über Vertrag mit Farc-Guerilla ab

Schicksalswahl in Kolumbien: Knapp eine Woche nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens der Regierung mit der linken Guerillaorganisation Farc haben die Kolumbianer über den Vertrag abgestimmt.

Kolumbianer stimmen über Vertrag mit Farc-Guerilla ab
Mauricio Duenas Castaneda Kolumbianer stimmen über Vertrag mit Farc-Guerilla ab

Präsident Juan Manuel Santos war unter den ersten Bürgern, die am Sonntag auf dem zentralen Bolívar-Platz in der Hauptstadt Bogotá ihre Stimme abgaben.

«Das ist eine historische Wahl, die unser Land verändern kann», sagte der Staatschef. «Ich hoffe, dass alle Kolumbianer wählen gehen, trotz des Regens.» Die Ausläufer des Hurrikans «Matthew» über der Karibik sorgten in Kolumbien für heftige Niederschläge. Die Wahlbeteiligung in Kolumbien ist generell recht niedrig.

Aufgrund von Regen und Sturmböen öffneten einige Wahllokale in den Departments La Guajira und Magdalena an der Karibikküste später. «Weder der Regen noch die Blitze werden die Kolumbianer davon abhalten, das Ende des Krieges zu unterstützen und den Frieden aufzubauen», sagte der ehemalige Präsident César Gaviria, der die Wahlkampagne zur Unterstützung des Friedensvertrag leitete.

Der frühere Staatschef Álvaro Uribe lehnt das Friedensabkommen mit den Farc ab. «Der Frieden weckt Hoffnungen, aber die Vertragstexte sind enttäuschend», sagte er nach der Stimmabgabe in Bogotá. Mit dem Abkommen und den Zugeständnissen an die Rebellen falle das Land in die Hände der Farc.

Die jüngsten Umfragen sehen die Befürworter des Vertrages vorn. Damit es gültig ist, müssen in dem Referendum mindestens 13 Prozent der Wahlberechtigten - rund 4,5 Millionen Menschen - für oder gegen das Abkommen stimmen. Die Volksabstimmung wird von 200 internationalen Wahlbeobachtern überwacht - darunter sind die Friedensnobelpreisträger Rigoberta Menchú und Adolfo Pérez Esquivel.

«Das ist vielleicht die sicherste Wahl in unserer Geschichte», sagte Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas. Alle Wahllokale würden von Soldaten oder Polizisten geschützt. Nur im Department Guaviare habe es einen Zwischenfall gegeben: Mutmaßliche Mitglieder einer abtrünnigen Farc-Einheit hätten einen Sprengsatz auf ein Wahllokal abgefeuert. Die Granate habe allerdings ihr Ziel verfehlt und keinen Schaden angerichtet.

Der Vertrag sieht eine Landreform vor, dazu neue Ansätze zur Bekämpfung des Drogenhandels und eine Entschädigung der Opfer. Die Rebellen erhalten in den kommenden zwei Wahlperioden zehn Abgeordnetenmandate garantiert. Zudem werden selbst schwerste Verbrechen nur mit maximal acht Jahren Haft geahndet.

Die Kritiker bemängeln vor allem die relativ milden Strafen für die Guerilleros. Während die Regierung und die Farc für die Zustimmung zu dem Abkommen warben, riefen Ex-Präsident Uribe und seine rechte Partei Centro Democrático dazu auf, dagegen zu votieren.

«Alle Kolumbianer haben die gleiche Macht wie der Präsident, Ja oder Nein zu dem Abkommen zu sagen», erklärte Staatschef Santos. «Damit der Frieden stabil und dauerhaft ist, bedarf er der Bestätigung durch das kolumbianische Volk.»

Mit dem Abkommen soll der älteste bewaffnete Konflikt Lateinamerikas beigelegt werden. Bei den Kämpfen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen seit Mitte der 1960er Jahre mehr als 220 000 Menschen ums Leben, Millionen wurden vertrieben.

Am Samstagabend kündigten die Rebellen eine Entschädigung der Opfer des Konflikts an. Dazu wollten die Farc ihr Vermögen offenlegen. Über wie viel Geld und Besitztümer die Rebellen verfügen, ist unklar. Jedoch dürfte die Guerillaorganisation in den vergangenen Jahrzehnten beträchtliche Reichtümer angehäuft haben. Die Farc waren in Drogenhandel, illegalen Bergbau und Schutzgelderpressung verwickelt.