Kometen-Mission: Mini-Labor auf dem Weg zu «Tschuri»

Premiere im Universum: Nach zehnjähriger Reise durch das All soll ein Mini-Labor am Mittwoch erstmals auf einem Kometen landen. Am Morgen löste sich wie geplant «Philae» von der Raumsonde «Rosetta».

Am Nachmittag etwa um 16.35 Uhr soll das kühlschrankgroße Labor auf dem Kometen «67P/Tschurjumow-Gerassimenko» aufsetzen. Etwa eine halbe Stunde später wird die Bestätigung auf der Erde erwartet. Bei den Vorbereitungen hatte es heikle Momente gegeben.

Mit der Mission wollen Wissenschaftler Daten über die Entstehung des Sonnensystems erhalten. Der Komet, der mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt ist, ähnelt in seiner Form einer Quietscheente. Untersuchungen während der Mission haben bereits ergeben, dass der Brocken wegen Schwefelwasserstoff unter anderem nach faulen Eiern stinkt.

Die Europäische Weltraumorganisation Esa betrachtet die Mission als Meilenstein. Manche Experten vergleichen das Manöver mit der Mondlandung 1969. Die Landung gilt unter Fachleuten als schwierig, unter anderem wegen der unklaren Bodenbeschaffenheit. Die Oberfläche von «Tschuri» - so der Spitzname des Kometen - scheint sehr weich zu sein. Das Labor könnte versinken oder umkippen.

Der Darmstädter Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter, schätzte den Erfolg der Landung auf etwa 50 Prozent. «Wir sagen Fifty-fifty-Chance», meinte der Ex-Astronaut im ZDF-«Morgenmagazin».

In der Nacht hatte es beim Klarmachen zum Landemanöver heikle Momente gegeben. Noch ist nicht sicher, ob auf «Philae» ein System funktioniert, das den Lander aufgrund der äußerst geringen Schwerkraft auf «Tschuri» drücken soll. Es gibt aber zwei Harpunen, die beim Aufsetzen abgefeuert werden, damit sich das Mini-Labor im besten Fall festkrallen kann.

Wenn alles nach Plan läuft, hoffen Wissenschaftler auf einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand. Kometen sollen weitgehend unveränderte Materie aus dieser Zeit enthalten - daher gelten sie als Boten aus der Vergangenheit. Die Forscher erhoffen sich auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens.

«Rosetta» legte in den vergangenen zehn Jahren rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück. Die Sonde war mit «Philae» an Bord am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet.