Komplott-Versuch? FIFA-Chef Infantino unter Druck

FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät in der Komplott-Affäre um den Rücktritt von Chefaufseher Domenico Scala immer mehr unter Druck.

Komplott-Versuch? FIFA-Chef Infantino unter Druck
Maxim Shipenkov Komplott-Versuch? FIFA-Chef Infantino unter Druck

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» veröffentlichte in ihrer Online-Ausgabe auf Englisch dem Präsidenten des Fußball-Weltverbandes zugeschriebene Zitate aus einer Sitzung des FIFA-Council, die einen von Infantino betriebenen Sturz Scalas praktisch belegen würden.

«Wir schauen, ob es möglich ist, dass er zurücktritt. Wenn er dies nicht tut, werden wir die Delegierten fragen, dass diese Angelegenheit durch den Kongress bewilligt wird», lautet ein angebliches Infantino-Zitat aus der Sitzung des FIFA-Rates am 13. Mai in Mexiko-Stadt wenige Stunden vor der letzten Vollversammlung der Nationalverbände.

Auch die Beschwerde Infantinos über sein Gehalt von zwei Millionen Schweizer Franken, das durch eine von Scala damals geführte Kommission festgelegt wurde, wird durch die «FAZ» festgehalten: «Ich habe diesen Vorschlag nicht akzeptiert. Es war ein Vorschlag, den ich beleidigend fand.»

Die FIFA wollte sich zu der Veröffentlichung vorerst nicht äußern. Am Wochenende hatte der Weltverband alle Berichte über einen Komplott gegen Scala als haltlos zurückgewiesen.

Der ehemalige Chef der Audit- und Compliance-Kommission war von seinem Amt am 14. Mai zurückgetreten. Einen Tag zuvor hatte der FIFA-Kongress einen Passus verabschiedet, der die Autonomie der Kontrollgremien massiv schwächt, da ihre Mitglieder für ein Jahr vom Council ernannt und entlassen werden können.

Offenbar wurde der angebliche Vorstoß Infantinos im Council auch skeptisch beurteilt. Kritisch äußerte sich offenbar besonders das englische Mitglied David Gill. Der amerikanische Verbandschef Sunil Gulati wird zitiert: «Wir können so nicht vorgehen. Wir können Personen nicht entlassen ohne eine schriftliche Grundlage oder Fakten.»

Infantino informierte demnach das Council auch über eine Beschwerde Scalas bei der Ethikkommission. Grundlage dafür soll ein geplanter Hauskauf der Familie Infantino in Zürich für 25 Millionen Franken gewesen sein. Laut Infantino landete die Eingabe Scalas bei den Ethikhütern «direkt im Papierkorb».

Die Ethikkommision wollte sich wie in solchen Fällen üblich nicht zu möglichen Verfahren gegen Infantino oder Council-Mitglieder äußern. Nach dpa-Informationen werden derzeit alle Unterlagen in der Komplott-Causa gesichtet. Kommt es zu einem Verfahren wäre Infantino, der am Sonntag 100 Tage im Amt ist, massiv geschwächt.