Konjunkturoptimismus und Euroschwäche treiben den Dax an

Die fortgesetzte Euroschwäche und überraschend optimistische Wirtschaftserwartungen für Deutschland haben am Dienstag für Kurssprünge im Dax gesorgt.

Nach sieben Rückgängen in Folge war der ZEW-Index für die heimischen Konjunkturerwartungen wieder gestiegen.

Der Leitindex legte bis zum Nachmittag um 1,86 Prozent auf 10 912,04 Punkte zu. Der MDax mittelgroßer Werte gewann 1,93 Prozent auf 21 085,64 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,77 Prozent auf 1813,69 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg zugleich um 2,15 Prozent.

Neben dem ZEW stütze vor allem der zum US-Dollar immer schwächere Euro den Markt, kommentierte Analyst Gregor Kuhn vom Broker IG. «Von dieser Währungskonstellation profitiert insbesondere die exportorientierte Wirtschaft Deutschlands im internationalen Wettbewerb.» Am Vormittag war die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit April abgerutscht. Darüber hinaus stimme die Aussicht auf geldpolitische Geschenke durch die EZB vor dem Weihnachtsfest optimistisch, so Kuhn.

Unter den Einzelwerten konnte der Internetdienstleister United Internet als Nachzügler der Berichtssaison mit seiner Quartalsbilanz überzeugen. Vor allem die Ergebnisseite und das Neukundengeschäft seien stark ausgefallen, sagte ein Händler. Die Aktie sprang kurz nach Handelsstart auf 48,82 Euro auf ein Rekordhoch und erreichte damit erstmals einen Börsenwert von mehr als 10 Milliarden Euro. Zuletzt kamen die Papiere zurück und lagen noch mit 1,80 Prozent im Plus bei 47,515 Euro.

Auf den Eurokurs sowie auf Neuzulassungszahlen des Autobranchen-Verbandes Acea reagierten die Autowerte mit deutlichen Gewinnen. Die Aktien von Volkswagen (VW), Daimler und BMW stiegen zwischen 1,6 und 2,5 Prozent. EU-weit, so schrieb Analyst Holger Schmidt von der Equinet Bank, seien die gestiegenen Neuzulassungen im Oktober und im bisherigen Jahresverlauf im Allgemeinen «ein ermutigendes Signal für eine weiterhin gesunde Entwicklung», auch wenn VW weniger dynamisch gewachsen sei und Marktanteile verloren habe.

Spitzenwert im Dax waren die Anteilsscheine von ThyssenKrupp mit plus 3,20 Prozent. Händler verwiesen auf eine positive Studie der britischen Bank HSBC zu den am Donnerstag erwarteten Jahreszahlen. Die Papiere des Versicherers Hannover Rück kletterten nach einer Empfehlung der US-Bank JPMorgan um 3,70 Prozent und waren damit Favorit im Index der mittelgroßen Werte.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,41 Prozent am Vortag auf 0,39 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,10 Prozent auf 140,11 Punkte. Der Bund Future bewegte sich mit plus 0,02 Prozent auf 157,29 Punkte kaum vom Fleck. Der Kurs des Euro sank: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0670 (Montag: 1,0723) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9372 (0,9326) Euro.