Konjunktursorgen lassen Börsen in China und Japan einbrechen

Sorgen um einen Konjunktureinbruch in der zweitgrößten Volkswirtschaft in China haben die Börsen in Asien einbrechen lassen.

Shanghais Aktienmarkt erlebte den schwersten Kurssturz seit acht Jahren, während er Nikkei in Japan den größten Verlust seit mehr als zwei Jahren hinnehmen musste. Die seit Wochen massiven staatlichen Interventionen zur Stabilisierung der Märkte in China haben sich damit als erfolglos erwiesen. Mit dem Kursrutsch wurde alle Gewinne in diesem Jahr zunichtegemacht.

Der Abwärtssog zog auch den Aktienmarkt in Hongkong mit sich. Der Hang Seng-Index fiel um 5,17 Prozent. Ähnlich gab die Börse in Taipeh auf Taiwan um 4,8 Prozent nach. Ursache der Panikverkäufe ist die Verunsicherung über die globale Wirtschaft, die Sorgen über ein verlangsamtes Wachstum des globalen Wirtschaftsmotors China sowie die Enttäuschung von Anlegern, die vergeblich auf baldige neue Konjunkturspritzen aus Peking gehofft hatten.

Der wichtige Shanghai Composite Index sackte um 8,49 Prozent auf 3209,91 Punkte ab. Auch der kleinere Shenzhen Component Index fiel um 7,83 Prozent auf 10 970,29 Punkte. Der ChiNext für Technologiewerte, der dem Nasdaq in den USA ähnelt, verlor 8,08 Prozent auf 2152,61 Punkte. Die Kurse von fast 2200 Aktien gaben bis an die tägliche Grenze von zehn Prozent nach, wo sie vom Handel ausgenommen werden. Börsianer sprachen von einem «schwarzen Montag».

Die Talfahrt kann nach Einschätzung von Experten noch andauern. «Es geht möglicherweise noch weiter runter», sagte der unabhängige Analyst Ye Tan der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Der Index in Shanghai könnte sogar unter die Marke von 3000 fallen. «Der Markt ist auf jeden Fall auf einem ununterbrochenen Rückzug.»

Angesichts der Verluste an Chinas Börsen und zum Wochenende auch an der Wall Street sackte der Nikkei-Index massiv um 895,15 Punkte oder 4,61 Prozent auf den Schlussstand von 18 540,68 Punkten. Auf so einem niedrigen Niveau hatte das Börsenbarometer seit dem 23. Februar nicht mehr gelegen. Jede an der 1. Sektion gehandelte Branche musste Verluste einstecken. Angeführt wurden die Verlierer von Aktien des Banken-, Immobilien- und Stahlsektors. Auch Japans Autobauer erlitten schwere Einbußen: Fuji Heavy Industries mit der Marke Subaru stürzten um 8,4 Prozent ab, Mazda verlor 7,2 Prozent.

Neben den Befürchtungen über China gibt es zusätzlich Unsicherheit darüber, ob oder wann die US-Zentralbank eine erwartete Zinsanhebung vornimmt, wie Analysten meinten. Zwar sei zu erwarten, dass es nach den erneut massiven Verlusten zu Schnäppchenkäufen komme. Doch werde der Tokioter Markt voraussichtlich weiter solange in einer Korrekturphase stecken, bis sich klarer abzeichnet, wann es zur Zinsanhebung der Fed kommt.

Manche Experten in Tokio halten den Ausverkauf vom Montag jedoch auch für eine Überreaktion. Zwar seien die jüngsten Quartalsbilanzen japanischer Unternehmen nicht schlecht gewesen, aber angesichts des globalen Kursrutsches an den Börsen seien die Anleger nicht in der Lage gewesen, nur an japanischen Aktien festzuhalten, sagte Yoshihiko Tabei von Naito Securities der Agentur Jiji Press. Die Talfahrt wurde anscheinend noch von Hedgefonds befeuert.

Der Kursrutsch in China setzte sich beschleunigt fort, obwohl die Regierung am Wochenende angekündigt hatte, den chinesischen Pensionsfonds zu erlauben, auch in den Aktienmärkten zu investieren. Den Anlegern reichte das aber offensichtlich nicht, da viele auf eine weitergehende Verringerung der Mindestanforderungen für die Kapitalreserven der Banken hoffen.

Chinas Zentralbank erwägt nach einem Bericht des «Wall Street Journals», den Mindestreservesatz zu senken, um die Konjunktur zu stützen. Der Schritt soll aber nicht sofort erfolgen, sondern erst zum Monatsende oder Anfang September. Dabei würde der Mindestreservesatz um einen halben Punkt gesenkt werden, um 678 Milliarden Yuan (93 Milliarden Euro) für Kredite freizusetzen.