Kostenexplosion und Täuschungsvorwurf: Bischof unter Druck

Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gerät wegen der Baukosten-Explosion für seine neue Residenz zunehmend unter Druck. Auf rund 31 Millionen Euro werden die Ausgaben inzwischen beziffert, wie das Bistum am Montagabend mitteilte.

Zuletzt war von mehr als 10 Millionen Euro die Rede, veranschlagt waren ursprünglich nur etwa 2,5 Millionen Euro. Dem Bischof wird außerdem Täuschung vorgeworfen.

«Wir sind hinter das Licht geführt worden», sagte ein Sprecher des Vermögens- und Verwaltungsrats, der für die Kontrolle der Finanzen des Bischöflichen Stuhls in Limburg zuständig ist. Das Bistum selbst hatte noch vor wenigen Wochen Berichte zurückgewiesen, die Baukosten könnten um die 20 Millionen Euro betragen. Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz hingegen hatte schon Mitte September geahnt: «Ich vermute, dass da eine Zahl rauskommen wird, die uns umhauen wird.»

31 Millionen Euro hat die verwaltungsinterne Kostenrechnung ergeben, die der Oberhirte selbst für Oktober angekündigt hatte. Der Vermögens- und Verwaltungsrat kritisierte den Bischof scharf. Diese Höhe der Kosten sei völlig unbekannt gewesen. «Wir sind hinter das Licht geführt worden.» 2012 und 2013 sei der vorgeschriebene Haushaltsplan nicht vorgelegt worden. Der Bischof habe zudem nicht gewollt, dass der Vermögens- und Verwaltungsrat seine Informationen über die Pressestelle des Bistums bekanntgibt.

Die Ausgaben für die neue Residenz des Bischofs «übersteigen alle bisherigen Befürchtungen», sagte auch der Pfarrer der Frankfurter Kirchengemeinde St. Bonifatius, Werner Otto. «Solch hohe Kosten für die Wohn- und Arbeitsräume eines einzelnen Menschen sind den Gläubigen nicht zu vermitteln.» Noch erschreckender sei jedoch, dass der Bischof offenbar den Vermögens- und Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls getäuscht habe. «Wenn das zutrifft und er die Haushalte nicht vorgelegt hat, dann ist sein Amt extrem beschädigt.» Es lebe von seiner Glaubwürdigkeit. Tebartz-van Elst werde nun einiges zu erklären haben.

Der Bischof sagte am Dienstag erst einmal einen öffentlichen Termin in Wiesbaden ab. Er hätte in der hessischen Landeszentrale für politische Bildung Bücher über die beiden gegensätzlichen Päpste Benedikt XVI. und Franziskus vorstellen sollen. Das Bistum habe darum gebeten, den Termin zu verschieben, sagte eine Mitarbeiterin der Landeszentrale.

Tebartz-van Elst steht seit längerem in den eigenen Reihen wegen seiner Amtsführung in der Kritik, ihm werden autoritärer Stil und Verschwendung vorgeworfen. Die Situation in seinem Bistum wurde auch vom Vatikan als problematisch eingeschätzt. Papst Franziskus, der für Bescheidenheit und Hinwendung zu den Armen steht, hatte deshalb im September eigens einen Gesandten nach Limburg geschickt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt ebenfalls gegen Tebartz-van Elst. Dabei geht es um den Vorwurf der Falschaussage in Zusammenhang mit einem teuren Flug nach Indien. Ob Anklage erhoben wird, war am Dienstag noch unklar.

In der Finanzaffäre ist nun die Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz am Zuge. Sie muss die Einzelprojekte hinsichtlich der Kosten und der Finanzierung überprüfen. Alle zur Verfügung stehenden Unterlagen würden gemäß der Vereinbarung mit dem römischen Kardinal Giovanni Lajolo an die von Tebartz-van Elst beantragte Prüfungskommission weitergeleitet. Das Ergebnis wird anschließend dem Bischof und der Öffentlichkeit vorgelegt.

Grund der Kostenexplosion ist laut Bistum vor allem die aufwendige Sanierung historischer Gebäude. Der Bau der Residenz war 2007 beschlossen worden, vor Beginn der Amtszeit von Tebartz-van Elst. Sein Vorgänger Franz Kamphaus, der für einen unermüdlichen und leisen Einsatz für Arme und Schwache stand, wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Der 81-Jährige fiel durch sein bescheidenes Auftreten auf und lebt inzwischen im Sankt Vincenzstift im Rheingau, wo er auch als Seelsorger tätig ist.