Kreise: JPMorgan droht Rekordstrafe

Der einstigen US-Vorzeigebank JPMorgan droht Medienberichten zufolge eine Rekordstrafe wegen dubioser Hypothekengeschäfte.

Die für Immobilienfinanzierungen zuständige US-Behörde FHFA fordert mindestens 6 Milliarden Dollar (4,48 Mrd Euro) Schadensersatz, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg und die «Financial Times» (Dienstag) übereinstimmend aus Finanzkreisen berichteten.

Das Institut soll den halbstaatlichen Immobilienfinanzieren Fannie Mae und Freddie Mac vor der Finanzkrise Hypothekenpapiere im Volumen von 33 Milliarden Dollar angedreht und dabei bewusst falsche Angaben über deren Qualität gemacht haben.

FHFA und die Bank wollten sich nicht zur Höhe der Schadensersatzforderung äußern. Die Behörde hatte JPMorgan und 17 weitere Banken, darunter auch die Deutsche Bank, 2011 wegen der mutmaßlichen Betrügereien beim Verkauf der Immobilienpapiere verklagt. Fannie Mae und Freddie Mac waren in der Finanzkrise in Schieflage geraten und mussten für 187,5 Milliarden Dollar vom Staat gerettet werden.

Bei JPMorgan wiegen die Vorwürfe wegen des hohen Volumens der Hypothekenpapiere besonders schwerer. Umstritten ist, inwiefern die größte US-Bank tatsächlich für die Geschäfte verantwortlich ist. Einen Großteil der Immobilienanleihen hatten zwei Banken verkauft, die erst 2008 von JPMorgan übernommen worden waren. Bankchef Jamie Dimon hatte daher zuletzt erklärt, dass sein Haus nicht für deren Fehler verantwortlich gemacht werden könne.

JPMorgan gilt eigentlich als einer der großen Gewinner der Finanzkrise. Doch inzwischen drohen zahlreiche Rechtsstreitigkeiten den Ruf des Instituts zunehmend zu beschädigen. Das Risiko aus laufenden Klagen gegen die Bank bezifferte das Institut zuletzt auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Seit 2011 hat JPMorgan fast 8 Milliarden Dollar für die Beilegung von Rechtsfällen gezahlt.

Besonders verheerend für die Reputation von JPMorgan waren die im Frühjahr 2012 bekanntgewordenen fehlgeschlagenen Zockereien einer Londoner Sparte des Investmentbankings. Dennoch verdiente das Institut mit 21,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr so viel wie noch nie in seiner Geschichte.