Kremlgegner Nawalny kämpft gegen Verurteilung

Kämpferisch stellt sich der russische Kremlgegner Alexej Nawalny einer Berufungsverhandlung wegen seiner umstrittenen Verurteilung zu fünf Jahren Haft.

Kremlgegner Nawalny kämpft gegen Verurteilung
Sergei Ilnitsky Kremlgegner Nawalny kämpft gegen Verurteilung

«Sollen sie mir doch gleich Handschellen anlegen, ich habe die Sachen fürs Gefängnis schon gepackt», sagt der 37-Jährige der Zeitung «Moskowski Kosmomolez». An diesem Mittwoch prüft ein Gericht in der 900 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Stadt Kirow den Richterspruch einer ersten Instanz. «Das ist ein absurder Prozess», sagt Russlands berühmtester Korruptionsjäger.

Nawalny war am 18. Juli verurteilt worden, weil er einer staatlichen Holzfirma umgerechnet 400 000 Euro Verlust mit schlechter Beratung eingehandelt haben soll. Der scharfzüngige Gegner von Präsident Wladimir Putin sieht den Prozess als Teil einer «Operation Machterhalt» des Kreml angesichts sinkender Umfragewerte. Wie der inhaftierte Ex-Ölmanager Michail Chodorkowski will Nawalny zeigen, dass er nicht wegläuft, sondern sich dem Kampf stellt.

«Ich gehe davon aus, dass sie mich zu Gefängnis oder Bewährung verurteilen - aber nicht freisprechen», meint der bekannte Blogger. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, blieb Nawalny auf freiem Fuß und durfte im September bei der Moskauer Bürgermeisterwahl kandidieren. Mit 27,24 Prozent der Stimmen erzielte er dabei als Oppositionskandidat dabei ein überraschend gutes Ergebnis.