Kreuzfahrtschiff nach Ebola-Angst zurück in USA

Ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff, das wegen Angst vor Ebola in zwei Karibik-Häfen abgewiesen worden war, ist in die USA zurückgekehrt. Die «Carnival Magic» legte am Sonntag im texanischen Hafen Galveston an.

Kreuzfahrtschiff nach Ebola-Angst zurück in USA
Gustavo Villegas Kreuzfahrtschiff nach Ebola-Angst zurück in USA

Eine Frau, die als Laborleiterin in einem Krankenhaus mit Ebola-Proben in Kontakt gekommen sein soll, durfte das Schiff zusammen mit den anderen Passagieren verlassen, wie der Lokalsender Khou berichtete. Sie zeige keine Ebola-Symptome.

Das Schiff hatte wegen der Frau, die sich an Bord freiwillig in Quarantäne befand, weder in Belize noch auf der mexikanischen Insel Cozumel anlegen dürfen. Das Unternehmen Carnival Cruise Lines ordnete daraufhin die Rückkehr nach Galveston an.

Die Kreuzfahrtgesellschaft hatte bereits am Freitag mitgeteilt, die Frau zeige keinerlei Symptome und stelle keine Gefahr für Passagiere und Besatzung dar. Sie sei 19 Tage zuvor in dem Labor zuletzt tätig gewesen.

EU-MISSION: Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) brachte die Entsendung einer zivilen EU-Mission zur Bekämpfung der Epidemie in Westafrika ins Gespräch. Dies würde auch Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) ohne eigene nationale Strukturen in den betroffenen Ländern eine Plattform bieten, um medizinisches Personal zu schicken, sagte Steinmeier am Sonntagabend laut vorab verbreitetem Redetext zur Eröffnung der Konferenz «World Health Summit» (Weltgesundheitsgipfel) in Berlin.

Die Außenminister der 28 EU-Staaten werden an diesem Montag in Luxemburg auch über die Ebola-Epidemie beraten. Kurz vor dem Treffen forderte Großbritanniens Premierminister David Cameron die EU auf, die Finanzmittel im Kampf gegen Ebola auf eine Milliarde Euro zu erhöhen. Die Niederlande schlossen sich dem an. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel, der am Donnerstag beginnt, müsse ein «ehrgeiziges Unterstützungspaket» beschlossen werden, so Cameron. Bisher haben die EU und ihre Mitgliedsstaaten 450 Millionen Euro für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika zugesagt.

KARDINALFEHLER: Der Leipziger Infektionsmediziner Bernhard Ruf beklagte mangelnde Schutzvorkehrungen bei der Behandlung von Ebola-Patienten in Spanien und den USA. Dass Ärzte und Pfleger in der Madrider Klinik ihre Schutzanzüge allein an- und ablegten, sei ein «Kardinalfehler» gewesen, schrieb der Chefarzt in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin «Focus». An seiner Klinik in Leipzig geschehe das mindestens zu zweit. «Einer beobachtet den anderen und kontrolliert auf Fehler.» In der Madrider Carlos-III-Klinik hatte sich eine Pflegehelferin bei der Behandlung eines Kranken infiziert.

«Noch unverständlicher» findet Ruf, an dessen infektiologischer Klinik in Leipzig erstmals in Deutschland ein Ebola-Patient starb, die beiden Ebola-Übertragungen in den USA. Die USA seien offenbar kein Mekka der Krankenhaushygiene. Zwei Krankenschwestern hatten sich dort bei der Pflege eines Patienten aus Westafrika angesteckt.

SPEZIALFLUGZEUG: Die Bundesregierung arbeitet derzeit an der Ausstattung eines Spezialflugzeugs für den Transport schwer erkrankter Ebola-Patienten. Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, die Fluggesellschaft Lufthansa habe den Auftrag dafür bekommen. Geplant sei, mehrere Flugzeuge so auszurüsten, dass hoch infektiöse Ebola-Patienten damit sicher transportiert werden könnten. Für die bisherigen Transporte von Infizierten in deutsche Krankenhäuser wurden Spezialflugzeuge einer US-Firma gemietet.

KOSTEN: Die Behandlungskosten für den im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) betreuten Ebola-Patienten könnten sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» auf rund zwei Millionen Euro summieren. «Wir haben es hier mit Extremkostenfällen zu tun, für die der finanzielle Gesamtaufwand kaum exakt zu beziffern ist», sagte Christian Gerloff, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE, der dpa. Die direkten Behandlungskosten liegen laut UKE etwa bei den geschätzten 300 000 Euro. Diese werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übernommen. Daneben seien jedoch Sekundärkosten zu berücksichtigen.