Kribbeln beim Meister - Reizklima beim Pokalsieger

Der Vizemeister muss sich mit einer Egoismus-Debatte rumärgern, der Champion verteilt Streicheleinheiten - und zur Wiesn ist der VfL Wolfsburg ohnehin ein gern gesehener Gast beim FC Bayern. Die Münchner können beim Topspiel den Kontrahenten auf sieben Punkte distanzieren.

Kribbeln beim Meister - Reizklima beim Pokalsieger
Sven Hoppe Kribbeln beim Meister - Reizklima beim Pokalsieger

«Der deutsche Meister gegen den Vizemeister und Pokalsieger - und das auch noch am Abend unter Flutlicht. Mehr Kribbeln geht kaum, solche Fußball-Feiertage sind die Höhepunkte einer jeden Bundesliga-Saison», schwärmte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

«Wir haben ein Heimspiel und wollen gewinnen», sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Das wollen aber auch die Wolfsburger um ihre Sturm-Diva Bas Dost. «Wir fahren da nicht hin, um Unentschieden zu spielen», erklärte der Doppeltorschütze vom Wochenende, der für reichlich Zündstoff beim VfL sorgt.

Für die Bayern ist es am Dienstag der erste von zwei Bundesliga-Knallern zu Hause während des Oktoberfestes - am 4. Oktober kommt Borussia Dortmund. Seit 2010, als unter Trainer Louis van Gaal gar der traditionelle Wiesn-Besuch abgesagt wurde, gab es keinen richtigen Wiesn-Kater mehr. Oktoberfestspiele gegen Wolfsburg lassen in den Bierzelten die Feierlaune ohnehin steigen: Dreimal liefen die Niedersachsen in den vergangenen zehn Jahren während der Wiesn in München auf, dreimal verloren sie zu Null.

Derzeit haben die Wolfsburger aber ganz andere Sorgen. Die Reibereien mit dem zickigen Torjäger Dost, zweifacher Torschütze beim 2:0 gegen Hertha BSC, hätten sich die Niedersachsen gerne erspart. Der VfL war am Montag bemüht, das Thema zu beenden - vorerst. «Das ist ausgesprochen, ausgestanden und da wird auch nichts hängen bleiben», meinte Wolfsburgs Coach Dieter Hecking nach seiner heftigen öffentlichen Attacke gegen Dost am Samstag.

Ob es tatsächlich so kommt, ist trotz einer Aussprache am Sonntag aber fraglich. Zweifel nährte Hecking selbst. «Wir haben versucht, die Sache aus der Welt zu schaffen. Ich gehe davon aus, dass sich das Thema erledigt hat», sagte Hecking der «Wolfsburger Allgemeinen Zeitung» (Montag). Die öffentliche Kritik an Dost gab es übrigens ganz bewusst vor dem Bayern-Spiel. «So ein gesundes Reizklima am Anfang der Saison schärft noch einmal die Sinne», erklärte Trainer Hecking. Trotz der zwei Tore hatte er den Niederländer öffentlich gerüffelt, weil dieser sich nach der Auswechslung beim Champions-League-Spiel gegen ZSKA Moskau divenhaft verhalten habe.

Gereizte Stimmung in Wolfsburg also. Dagegen konnten die Bayern-Verantwortlichen mit der kräftigen Rotation beim 3:0 in Darmstadt etwas für das Betriebsklima tun. Startelfdebütant Kingsley Coman traf gleich. Sebastian Rode, Joshua Kimmich & Co. nutzten ihre Chancen, wurden von Trainer Pep Guardiola und Sammer reichlich gelobt. «Jetzt geht es mit einem guten Gefühl ins Wolfsburg-Spiel», erklärte Rode. Sammer freute sich über die «Mentalitätsmonster» Kimmich und Rode: «Wir werden jeden brauchen in der Saison.»

Gegen den Vizemeister wird Guardiola aber wieder auf lange oder ganz geschonte Kräfte wie Philipp Lahm, Xabi Alonso oder Thomas Müller setzen. «Das wird ein ganz anderes Spiel, aber auch ein sehr schwieriges», erklärte Müller. Pausen seien «natürlich gut für den Körper». Und bei der Stimmung im Kader helfen Spielzeiten sowieso.

Zum Rückrunden-Auftakt der vergangenen Saison düpierten die Wolfsburger den FC Bayern mit 4:1, beim Supercup gewannen die Niedersachsen im Elfmeterschießen. Von einer nahenden Revanche wollen die Bayern deshalb aber nicht reden. «Das Wichtigste ist, dass wir auf uns selbst schauen», forderte Abwehrchef Jérôme Boateng.

Ein besonders emotionales Spiel wartet auf Dante. Der brasilianische Innenverteidiger wechselte kurz vor Ende der Transferperiode vom FC Bayern zu den Niedersachsen. Auch Mittelfeldakteur Luiz Gustavo dürfte gegen seinen ehemaligen Verein wieder auflaufen, nachdem er wegen Kniereizung gegen Hertha geschont worden war. «Wir sind selbstbewusst», sagte Manager Klaus Allofs.