Krise im Kopf: Schalke 04 ringt um Selbstvertrauen

Roberto Di Matteo hat schon viel erlebt in seinem Trainer-Leben. Doch die anhaltende Negativserie beim FC Schalke 04 macht auch den Italo-Schweizer ein wenig ratlos.

«Das ist eine Kopfsache. Wir waren nicht gut genug», sagte der 44-Jährige nach dem deprimierenden 0:2 (0:2) in der Fußball-Bundesliga beim FSV Mainz 05. «Wir strotzen natürlich auch nicht gerade vor Selbstvertrauen. Wir müssen nicht groß reden, wir müssen uns auf uns konzentrieren», ergänzte Torhüter Ralf Fährmann.

Nach dem sechsten sieglosen Spiel droht Gefahr, nach der Champions League auch noch die Qualifikation für Europa League zu verspielen. «Es gibt kein trainingsfrei in dieser Woche», meinte Manager Horst Heldt sichtlich verärgert und kündigte weitere Entscheidungen an. Di Matteo bleibt aber unangetastet. «Das hat nichts mit dem Trainer zu tun. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft keinen Plan hatte.»

Die gut 3000 Schalker Fans bestraften den Vortrag der «Knappen» mit Liebesentzug. «Wir haben die Schnauze voll» und «Scheiß Millionäre» riefen die Anhänger der Mannschaft entgegen, als diese nach dem Abpfiff in die Schalke Kurve kamen. «Wir sind verantwortlich dafür, wie die Fans reagieren. Da müssen wir auch den Spott aushalten», meinte Kapitän Benjamin Höwedes. Der Weltmeister war einer der wenigen, der mit Einsatz überzeugte. «Die Reaktionen müssen uns noch mehr anspornen, alles für diesen Club zu tun», betonte Fährmann.

Nur 15 von 39 möglichen Punkten gingen in der Rückrunde auf das Konto der Königsblauen. Das entspricht ganz und gar nicht den eigenen Ansprüchen. «Mentalität schlägt Qualität», stellte der Mainzer Coach Martin Schmidt fest. Was die Klasse der einzelnen Spieler angeht, liegen die Schalker eigentlich weit vor den 05ern. Doch die aktuelle Verfassung der gesamten Mannschaft ist zu schlecht für die Liga und keine Empfehlung für höhere Aufgaben. «Ohne Punkte wird es schwer mit der Europa League», sagte Di Matteo.

Standardsituationen brachten Schalke ins Hintertreffen. Der gute Start verpuffte durch Abwehrschwächen bei den Treffern von 05-Innenverteidiger Stefan Bell (28./31. Minute). «Uns fehlt einfach die Leichtigkeit», sagte Höwedes.

Nicht nur in der Defensive stimmte es bei den Königsblauen nicht. Von strukturiertem Aufbauspiel war wenig zu sehen, auch die Einwechslung von Julian Draxler und Leon Goretzka änderte nichts. Und im Angriff wartet Klaas-Jan Huntelaar nun schon seit 1187 Minuten auf einen Treffer.

Nicht besser ergeht es dem ehemaligen Mainzer Eric Maxim Choupo-Moting. Der Deutsch-Kameruner kommt nach der Afrika-Meisterschaft nicht mehr in Schwung und blieb an alter Wirkungsstätte blass. Seine schönsten Momente hatte er vor dem Spiel, als die Mainzer Fans lautstark und freundlich begrüßten.

Bei den Rheinhessen hielt die gute Stimmung auch nach dem Spiel. Der erste Heimsieg gegen den Revierclub nach fast neun Jahren war gleichbedeutend mit einem weiteren Jahr Bundesliga. Trainer Martin Schmidt bremste aber die Euphorie: «Rechnerisch sind wir mit 37 Punkten noch nicht durch.» Letzte Zweifel sollen am Sonntag kommender Woche im Heimspiel gegen den HSV beseitigt werden.