Krise verschlimmert Kinderarmut

Die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise belasten Kinder und Jugendliche in Industriestaaten massiv. In den 41 wohlhabendsten Ländern der Welt sind seit Beginn der Krise 2008 etwa 2,6 Millionen mehr Kinder unter die Armutsgrenze gerutscht.

Krise verschlimmert Kinderarmut
Patrick Pleul Krise verschlimmert Kinderarmut

Das geht aus einem in Rom vorgestellten Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor. In diesen Staaten leben demzufolge geschätzt 76,5 Millionen Kinder in Armut. Besonders betroffen sind laut Unicef Länder in Südeuropa, im Baltikum, aber auch Island und Irland. Trotz aller Sparanstrengungen dürften die Regierungen die Belange der Kinder nicht aus den Augen verlieren.

«Viele Industrieländer haben bei den Haushaltseinkommen einen großen Sprung zurück gemacht. Das hat Einfluss auf die Kinder und langfristige Auswirkungen für sie und die Gesellschaften», erklärte Unicef-Experte Jeffrey O'Malley. Die Ungleichheit sei ein weiteres großes Problem. «Während der Krise sind Arme noch ärmer geworden», erläuterte O'Malley bei der Vorstellung des Berichts. Das treffe natürlich auch die Kinder.

In mehr als der Hälfte der untersuchten Länder hat die Kinderarmut seit Beginn der Krise zugenommen, in besonders betroffenen Staaten wie Irland, Griechenland, Kroatien, Lettland und Island sogar um mehr als 50 Prozent. Deutschland liegt mit einem geringen Rückgang im Mittelfeld der untersuchten Staaten. Hierzulande hat zudem im Gegensatz zu vielen anderen Ländern die Zahl der jungen Menschen ohne Arbeit, Ausbildung oder Praktikum deutlich abgenommen.

Die 15- bis 24-Jährigen trifft die Krise laut Unicef besonders hart. In mehr als drei Viertel der Staaten hat die Arbeitslosenquote in dieser Altersklasse demnach zugenommen, teils habe sie ein besorgniserregendes Niveau erreicht.

Die junge Generation sei eine der Gruppen, die den höchsten Preis bezahlt habe, erklärte Goran Holmqvist vom Unicef-Forschungsinstitut Innocenti in Florenz. In der EU waren vergangenes Jahr 7,5 Millionen junge Menschen ohne Arbeit, Ausbildung oder Praktikum, etwa eine Million mehr als 2008.

Viele Kinder reagierten ängstlich und gestresst, wenn ihre Eltern unter Arbeitslosigkeit oder einem sinkenden Einkommen litten, erklärt Unicef weiter. Je länger die Kinder in einem Kreislauf aus Armut seien, umso schwieriger sei es für sie, daraus zu entkommen.

Christoph Butterwegge, Armutsforscher an der Universität Köln, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Kinderarmut in einem reichen Land kann viel erniedrigender sein als in einem armen Land.» Es finde eine Stigmatisierung der Betroffenen statt, Armut sei sehr mit sozialer Ausgrenzung verbunden, worunter besonders Kinder litten.

Das Kinderhilfswerk fordert von den Regierungen, Kinder und ihre Bedürfnisse nicht zu vergessen. «Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Stabilität allein genügen nicht, um Kinder zu schützen», mahnte Unicef-Experte O'Malley. «Wohlhabende Länder sollten mit gutem Beispiel vorangehen und das Wohlergehen von Kindern zu einer der obersten Prioritäten machen.» Denn wer aufhöre, in die Kinder zu investieren, werde die Folgen in der Zukunft zu spüren bekommen.

Es gebe aber auch Erfolge: So sei die Kinderarmut in 18 untersuchten Ländern zurückgegangen, Staaten wie Australien, Chile, Finnland, Norwegen, Polen und die Slowakei konnten das Level der Kinderarmut deutlich senken.