Krisen-Cocktail lässt Dax unter 9000 Punkte rutschen

Die internationalen Krisen und die Sorge vor einem drastischen Konjunkturabschwung haben den Dax erstmals seit zwei Monaten wieder unter 9000 Punkte fallen lassen.

Am Mittwoch sank der deutsche Leitindex im Handelsverlauf unter diese psychologisch wichtige Marke. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer fiel bis auf ein Tagestief von 8986,23 Punkten. Zuletzt stand er bei 9011 Punkten und damit 0,82 Prozent im Minus. Anlegern drohen weitere Verluste bei Aktiengeschäften.

Ausschlaggebend für die aktuelle Schwäche ist Händlern zufolge die Sorge um die Konjunktur. Unter anderem verdichten sich Anzeichen, dass die Eurozone erneut in die Rezession abgleiten könnte.

Zuletzt kamen Hiobsbotschaften aus der deutschen Wirtschaft. Produktion und Auftragseingänge in der Industrie fielen deutlich. Das Ifo-Geschäftsklima, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, sank im September den fünften Monat in Folge. Immer mehr Institute korrigieren ihre Konjunkturprognosen nach unten. Hinzu kommen politische Spannungen, der Terror im Nahen Osten, die Ukraine-Krise sowie die Ebola-Epidemie in Westafrika.

Auch an anderen europäischen Börsen und zuvor an den asiatischen Aktienmärkten kam es am Mitwoch durchweg zu Verlusten. Zuletzt war der Deutsche Aktienindex am 8. August im Tagesverlauf nach fünf Monaten unter 9000 Punkte gefallen. Auslöser waren damals die internationalen Krisen. Davon konnten sich die Börsen aber erholen, weil der Optimismus wieder stieg.

Der deutsche Aktienmarkt hat bislang ein durchwachsenes Jahr hinter sich: Zunächst trieben das billige Geld der Notenbanken den Dax in die Höhe. Am 5. Juni war er zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 10 000 Punkten gesprungen. Seitdem aber verdüsterte sich die Lage. Vom Jahresbeginn an gerechnet kommt der Dax auf ein Minus von mehr als 5 Prozent.

Seit Mitte September sind es bereits Verlust von knapp 9 Prozent. Darin spiegelt sich die wachsende Sorge vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft wider. Aus Deutschland - in jüngerer Zeit eher Konjunkturmotor in Europa - mehren sich enttäuschende Signale. «Der Abwärtstrend ist kristallklar, das Potenzial reicht bis an die 8900-Punkte-Marke», meint Marktexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar.

Die mögliche Zinswende der US-Notenbank Fed machen auch die Börsianer an der Wall Street vorsichtig. Es wäre die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise. Die US-Notenbank fährt ihre Politik des billigen Geldes weiter zurück. Dadurch verdüstert sich auch die Stimmung an den New Yorker Börsen. Das färbt wiederum auf den Dax ab.

Im Dax sind die Werte der 30 wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen zusammengefasst. Während der Finanzkrise war er im März 2009 innerhalb kurzer Zeit auf unter 3700 Punkte gefallen. Sorgen über die Rezession und die maroden Staatsfinanzen beherrschten damals die Debatten der Anleger.