Krisengespräche in Paderborn nach Trainingslager-Vorfall

Nach einem angeblichen Eklat im Trainingslager war Paderborns Präsident Wilfried Finke als Krisenmanager gefordert.

Krisengespräche in Paderborn nach Trainingslager-Vorfall
Friso Gentsch Krisengespräche in Paderborn nach Trainingslager-Vorfall

Seit dem frühen Montagmorgen mussten Chefcoach Stefan Effenberg und Manager Michael Born dem Vereinsboss des mächtig angeschlagenen Fußball-Zweitligisten Rede und Antwort stehen. Für 18.00 Uhr am Montagabend hatte der Club zu einer Pressekonferenz eingeladen.

«Es geht unter anderem darum, ein lückenloses Bild zu erstellen und sich mit Anwälten zu beraten, um auch für eine mögliche arbeitsrechtliche Auseinandersetzung gewappnet zu sein», sagte Finke am Montag dem «Westfalen-Blatt». Der Vorfall in Belek sorgte in jedem Fall unabhängig vom Ausgang der Krisensitzung nicht nur in Ostwestfalen für mächtig Wirbel. Details der Besprechung drangen zunächst nicht nach außen, Rückfragen bei Vereinssprecher Matthias Hack ergaben lediglich, dass diese internen Gespräche stattfänden. Der Verein wolle «keine vorschnellen Entscheidungen» treffen.

Hintergrund sind Berichte mehrerer Zeitungen, ein Paderborner Spieler habe sich in der Bar des Mannschaftshotels im türkischen Belek entblößt. Das schilderte auch ein Augenzeuge in einem Telefonat mit der dpa. Allerdings befand dieser sich nach eigenen Angaben rund 15 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. Klar sei, dass vier Personen das entblößte Gesäß des Spielers gesehen hätten. Dem Betroffenen droht die Suspendierung. Mehrere Versuche der dpa, den Profi telefonisch für eine Stellungnahme zu erreichen, schlugen fehl.

Ein vermeintliches Opfer von Belästigung stellte die Schilderung des Vorfalls in Medien als falsch dar. «Als ich gestern Morgen aufstand, wusste ich nicht, dass ich in der Nacht zum Samstag angeblich sexuell belästigt worden bin. Ich erfuhr es erst aus der Zeitung», sagte die Frau der dpa. «Sexuell belästigt worden, das sei hier noch einmal definitiv gesagt, bin ich zu keinem Zeitpunkt. Belästigt hat mich erst die falsche Berichterstattung», sagte die Frau, die für die Agentur arbeitet, die das Trainingslager der Effenberg-Mannschaft organisiert hatte.

«Davon, dass ein Paderborner Spieler eintrat, in zwei Metern Abstand an seiner Hose zog und sofort wieder ging, nahmen wir kaum Notiz», sagte sie. Sie habe mit anderen Spielern und dem Paderborner Zeugwart in der Hotel-Lobby gesessen.

Dieser Darstellung widersprach der Augenzeuge, der namentlich nicht genannt werden wollte. Demnach hätten vier Personen, die in der Bar an einem anderen Tisch saßen, das entblößte Gesäß des Paderborner Spielers deutlich gesehen. Der Profi habe sich dabei mit dem Unterleib in Richtung der Frau befunden. Am Tisch der Spieler sei dann gestikuliert worden. Der Augenzeuge schilderte, die Hose des Betroffenen sei etwa 20 bis 30 Sekunden heruntergezogen gewesen.

Der Paderborner Tross war am Sonntag aus Belek nach Ostwestfalen zurückgekehrt. Für Dienstagnachmittag war zunächst eine Einheit im neuen Trainingszentrum am Paderborner Almepark Nord geplant. Effenberg hatte zum Abschluss der vorangegangenen zentralen Vorbereitungsmaßnahme geäußert, seine Jungs hätten «sehr gut mitgearbeitet und viele Dinge umgesetzt, die wir erwarten. Wir haben einige neue Erkenntnisse gewonnen. Damit bin ich absolut zufrieden.»