Krisengespräche zwischen Süd- und Nordkorea stocken

Im Ringen um einen Ausweg aus der Krise auf der koreanischen Halbinsel scheinen die Fronten zwischen Süd- und Nordkorea verhärtet.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye bekräftigte bei einem Treffen mit ihren Beratern, dass sich Nordkorea erst für die jüngsten Grenzzwischenfälle entschuldigen müsse, bevor Seoul seine Lautsprecher-Propaganda gen Norden wieder einstelle. Das berichteten südkoreanische Sender.

Hochrangige Vertreter beider Länder berieten indes im Grenzort Panmunjom den dritten Tag nacheinander über eine Entspannung. Die Gespräche, die am Samstag begonnen hatten, waren nach einer ersten ergebnislosen Runde am Sonntag wieder aufgenommen worden. 

Das Treffen begann kurz nach Ablauf eines Ultimatums von Nordkorea. Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte Seoul aufgefordert, die Beschallungsaktion an der Grenze binnen 48 Stunden zu beenden. Es drohte mit Militärschlägen, setzte die Grenztruppen in Gefechtsbereitschaft und rief einen «Quasi-Kriegszustand» aus.

Das jüngste Säbelrasseln folgte auf die Wiederaufnahme der Propagandadurchsagen nach elf Jahren Unterbrechung. Die Beschallungsaktion führt Südkorea als Vergeltung für die Verletzung von südkoreanischen Soldaten durch mutmaßlich nordkoreanische Landminen auf eigenem Gebiet durch. Nordkorea bestreitet den Vorwurf, seine Soldaten hätten die Minen auf der südlichen Seite der entmilitarisierten Zone vergraben. Die Spannungen verschärften sich nach einem Schusswechsel von Artillerieeinheiten beider Seiten am Donnerstag an der Grenze. Auch dafür gibt Seoul dem Nachbarn die Schuld. 

Südkorea werde «weitere Gegenmaßnahmen ergreifen und seine Lautsprecher-Durchsagen fortsetzen», solange Nordkorea keine klare Entschuldigung anbiete, sagte Südkoreas Staatschefin. Auch müsse Pjöngjang versprechen, weitere Provokationen zu unterlassen. 

Südkoreas Streitkräfte berichteten in den vergangenen Tagen von ungewöhnlichen Bewegungen der nordkoreanischen Volksarmee. Unter anderem habe Nordkorea seine Artillerieeinheiten an der Grenze verdoppelt und offensichtlich mehr als 50 U-Boote in Bewegung gesetzt. Auch habe Südkorea Hinweise, dass die Volksarmee etwa zehn Luftkissen-Landungsboote in die Nähe der westlichen Seegrenze verlegt habe, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap am Montag.

Der Konflikt zwischen beiden Staaten schwelt seit Jahrzehnten. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) kam es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen an der Landes- und Seegrenze. 

Zu den aktuellen Gesprächen schickte Nordkorea den höchsten politischen Offizier der Volksarmee und die inoffizielle Nummer zwei hinter Machthaber Kim Jong Un, Hwang Pyong So, sowie den für Südkorea-Fragen zuständigen Parteisekretär Kim Yang Gon. Auf südkoreanischer Seite nehmen der Nationale Sicherheitsberater Kim Kwan Jin und Vereinigungsminister Hong Yong Pyo an den Verhandlungen teil.