Kroatien blickt mit Sorge auf Flüchtlingsandrang

Nach der Abriegelung der ungarischen Grenze blickt die Regierung in Zagreb mit Sorge auf den Andrang von Flüchtlingen, die auf ihrem Weg nach Westen nun über Kroatien ausweichen wollen.

«Wir werden konstruktiv und kooperativ sein, aber unsere Ressourcen sind begrenzt», sagte der kroatische Ministerpräsident Zoran Milanovic nach einem Treffen mit seinem österreichischen Kollegen Werner Faymann in Zagreb. «Ich weiß nicht, ob wir alle Menschen werden registrieren können», fügte er hinzu.

Seit Dienstag, als Ungarn seine Grenze zu Serbien für Flüchtlinge abgeriegelt hat, kommen deutlich mehr Flüchtlinge nach Kroatien als zunächst von der Regierung erwartet. Rund 5400 Menschen seien bereits eingetroffen, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender HRT in Zagreb am Donnerstag unter Berufung auf das nationale Rote Kreuz. Weitere 4000 würden in den nächsten Tagen erwartet.

Viele der Flüchtlinge würden von Bussen auf der serbischen Seite der Grenze abgesetzt, meldete der Sender. Die Menschen überquerten dann die Grenze zu Fuß. Am Donnerstagmorgen wurden 800 Flüchtlinge von Tovarnik an der Grenze zu Serbien mit dem Zug nach Dugo Selo östlich von Zagreb gebracht. Dort sollen sie in einem Erstaufnahmezentrum unterkommen.

Die harte Haltung Ungarns gegenüber Flüchtlingen hatte am Mittwoch erstmals schwerere Tumulte ausgelöst. Eine aufgebrachte Menge versuchte, den serbisch-ungarischen Grenzübergang Horgos-Röszke zu durchbrechen. Die ungarische Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach unterschiedlichen ungarischen Regierungsangaben wurden 14 bis 20 Polizisten verletzt. Über die Zahl der verletzten Flüchtlinge lagen keine Angaben vor. Augenzeugen sahen viele blutende Menschen. Am Mittwochabend beruhigte sich die Lage.

Nach ungarischen Medienberichten versammelte sich am Donnerstag vor dem Grenzübergang Röszke erneut eine Menge, die Einlass nach Ungarn forderte.  Wie die Internet-Zeitung «444.hu» berichtete, sitzen auf der serbischen Seite der Grenze Tausende Flüchtlinge fest, denen das Geld ausgegangen ist und die deshalb nicht zur serbisch-kroatischen Grenze weiterreisen können. 

EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos kritisierte den ungarischen Zaun an der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien. Zwar sei man sich mit Budapest einig darin, dass die EU-Außengrenze geschützt werden müsse, «aber wir waren uns nicht immer einig über die Mittel», sagte Avramopoulos am Donnerstag in Budapest vor Journalisten. Grenzzäune würden nur «Spannungen schaffen» und könnten zu Gewalt führen. Der EU-Kommissar hatte zuvor den ungarischen Außenminister Peter Szijjarto und Innenminister Sandor Pinter getroffen.