Kugel-Gold für Schwanitz - Sprinter Reus verpasst Finale

Frohnatur Christina Schwanitz hat der Konkurrenz im Kugelstoßring erneut eine Lehrstunde erteilt und den deutschen Leichtathleten bei der EM in Amsterdam das ersehnte erste Gold beschert.

Kugel-Gold für Schwanitz - Sprinter Reus verpasst Finale
Michael Kappeler Kugel-Gold für Schwanitz - Sprinter Reus verpasst Finale

Die 30 Jahre alte Sportsoldatin aus Sachsen wurde am Donnerstagabend ihrer Favoritenrolle gerecht und bejubelte ihren zweiten EM-Titel nach 2014. «Das ist unglaublich. Jetzt ist auch eine Olympia-Medaille realistisch und machbar», sagte die glückliche Siegerin.

Gleich im ersten Versuch sorgte Schwanitz mit 20,17 Metern für klare Verhältnisse. «Ich bin noch etwas geschockt von der Weite. Danach war die Luft ein wenig raus», berichtete sie. Die Ungarin Anita Márton lag als Zweite bereits 1,45 Meter zurück. Bronze sicherte sich die Türkin Emel Dereli mit 18,22 Metern. Die Leipzigerin Sara Gambetta belegte mit persönlicher Bestleistung von 17,95 Metern Rang sieben.

Wie vor zwei Jahren in Zürich und 2015 als Weltmeisterin in Peking war Schwanitz auch im Olympiastadion der niederländischen Hauptstadt wieder eine sichere Goldbank. Doch der Deutsche Leichtathletik- Verband (DLV) hatte am zweiten Wettkampftag der EM noch weitere heiße Eisen im Feuer: Speerwerfer Thomas Röhler ging sogar als Nummer 1 der Welt ins Finale (18.35 Uhr). Der WM-Vierte aus Jena nahm Kurs auf seine erste Medaille bei einem großen internationalen Wettkampf. Ende Juni hatte er sich mit glänzenden 91,28 Metern in Turku selbst in die Favoritenrolle für die EM gebracht.

Eine andere Hoffnung erfüllte sich nicht. Deutschlands Top-Sprinter Julian Reus verpasste das 100-Meter-Finale um einen Wimpernschlag. Der 28-Jährige aus Wattenscheid kam in seinem Semifinale in 10,22 Sekunden als Dritter zeitgleich mit dem Spanier Bruno Hortelano ins Ziel.

Doch das Zielfoto entschied gegen den deutschen Rekordhalter, der als Nummer 3 Europas zu den Titelkämpfen angereist war. «Das ist natürlich Kacke - mit einer Tausendstel-Entscheidung raus, das ist äußerst ungünstig», sagte Reus in der ARD. «Aber von der Motivation her wirft mich das nicht zurück. Ich versuche, es über 200 Meter besser zu machen.»

Hürdensprinterin Cindy Roleder wahrte dagegen ihre Chance, am Abend wieder aufs Siegerpodest zu kommen. Die EM-Dritte von 2014 und WM-Zweite des Vorjahres aus Leipzig wurde in ihrem Halbfinale in 12,76 Sekunden zeitgleich hinter der Weißrussin Alina Talaj Zweite. Auch die Wattenscheiderin Pamela Dutkiewicz stand im Endlauf. Pech hatte Nadine Hildebrand aus Sindelfingen, die das Finale (19.40 Uhr) im Fotofinish verpasste.

Diskuswerfer Christoph Harting kämpft am Samstag um seine erste EM-Medaille. Der 26 Jahre alte Berliner schaffte am Donnerstag in der Qualifikation die geforderte Weite aber erst im dritten Versuch: Der Diskus des WM-Achten landete bei 65,09 Metern. Wenn im Olympiastadion die Medaillen vergeben werden, ist Titelverteidiger Robert Harting nicht dabei. Der Olympiasieger vom SCC Berlin verzichtet auf die EM, um sich optimal auf die Olympischen Spiele in Rio (5. bis 21. August) vorbereiten zu können.

Bereits am Vormittag hatte sich alle drei deutschen Stabhochspringerinnen für den Medaillenkampf qualifiziert. Auch Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor und ihre Leverkusener Vereinskollegin Linda Stahl könnten die Medaillenbilanz des DLV aufbessern.