Kulturfestival «Europalia»: Belgien im Indien-Fieber

600 Ausstellungen, Konzerte und Tanzspektakel an 300 Orten: Belgien widmet der größten Demokratie der Welt das bislang größte Indien-Festival Europas.

Kulturfestival «Europalia»: Belgien im Indien-Fieber
Olivier Hoslet Kulturfestival «Europalia»: Belgien im Indien-Fieber

Indiens Präsident Pranab Kumar Mukherjee kam zum Startschuss nach Brüssel. Gemeinsam mit Belgiens neuem König Philippe und im Beisein von mehr als 1000 VIPs wurde das viermonatige Ereignis am Freitagabend im Kunstmuseum Bozar mit der Ausstellung «Corps de l’Inde» (etwa: Körper in Indien) eröffnet.

Gezeigt werden dort 300 Meisterwerke aus 50 indischen Museen, in deren Mittelpunkt die Wahrnehmung und Bedeutung des Körpers steht. «Das Bild Indiens ist mit vielen Klischees behaftet. Wir wollen zeigen, was indische Kultur wirklich ist», sagte Kurator Naman P. Ahuja. Die Ausstellung ist deshalb sehr konzeptuell aufgebaut. Tod, Geburt, der Körper im Kosmos, Askese und Ekstase dienen unter anderem als thematische Gliederung, um die verschiedenen Wahrnehmungen des Körpers in der indischen Kunst darzustellen.

Werke aus unterschiedlichen Epochen und Religionen werden miteinander konfrontiert. Eine eiförmige Installation aus Edelstahlgeschirr von Subodh Gupta, einem der bekanntesten indischen Künstler der Gegenwart, findet sich zum Thema Geburt einer mehrarmigen Kali-Statue gegenüber. Das Ei steht in der indischen Kultur für Neubeginn. Die Göttin Kali verkörpert im Hinduismus Tod und Zerstörung, aber auch Erneuerung.

Hinduismus, Buddhismus, Islam oder Christentum: Bedeutung, Wahrnehmung und Darstellung des Körpers sind komplex und grundverschieden. «Manches ähnelt sich, vieles ist jedoch ganz verschieden. Und diese Unterschiede wollen wir aufzeigen», betonte der Kurator. Die zum Teil jahrtausendalten Exponate sind ein visuelles Ereignis. Viele werden erstmals außerhalb Indiens gezeigt. Für die Kostbarkeiten hätte man sich in manchen Sälen jedoch eine Präsentation gewünscht, die die Kostbarkeiten besser in den Mittelpunkt stellt - statt sie in Nischen und raumhohe Kisten zu stellen.

«Corps de l’Inde» ist die erste von insgesamt 26 Ausstellungen des viermonatigen Programms, auf dem unter anderem 100 Konzerte und mehr als 200 Film- und Tanzveranstaltungen stehen. Die nächste Indien-Ausstellung wird am 16. Oktober eröffnet. «Indomania. Von Rembrandt bis zu den Beatles» wird ebenfalls im Brüsseler Bozar-Museum gezeigt. Zeichnungen, Gemälde, Installationen, Architektur, Kino, Musik und Fotografie veranschaulichen den Einfluss, den die indische Kunst seit dem 16. Jahrhundert auf europäische Künstler hat.

«Europalia» ist eines der größten Kulturevents Europas und findet in ganz Belgien statt. Es wurde 1969 gegründet und widmet sich alle zwei Jahre der Kultur eines Landes - im Jahr 2011 war es Brasilien. Mit rund 600 Veranstaltungen an 300 Orten ist «Europalia.india» die größte Kulturveranstaltung Europas, die jemals Indien gewidmet wurde. Das Festival dauert bis zum 26. Januar.