Kunstberater Achenbach: Prozess um Millionenbetrug

Millionendeals mit Kunst und Oldtimern: Der prominente Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach steht seit Dienstag wegen Betrugs an einer der reichsten Familien Deutschlands in Essen vor Gericht.

Kunstberater Achenbach: Prozess um Millionenbetrug
Marcel Kusch Kunstberater Achenbach: Prozess um Millionenbetrug

Die Staatsanwaltschaft wirft Deutschlands bekanntestem Kunstberater vor, den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben. Außerdem soll Achenbach mit einem mitangeklagten Ex-Geschäftspartner zwei weitere schwerreiche Kunden bei Kunstverkäufen getäuscht haben.

Der 62-jährige Achenbach will sich am kommenden Montag erstmals äußern. Sein Anwalt Thomas Elsner wies in einer verlesenen Erklärung vor dem Landgericht die Vorwürfe zurück, Achenbach habe überhöhte Einkaufspreise für Kunst und Oldtimer abgerechnet.

Laut Staatsanwältin Valeria Sonntag vermittelte Achenbach an Albrecht von 2009 bis 2011 insgesamt 28 Kunstwerke sowie bis kurz vor dessen Tod im November 2012 neun Oldtimer. Mündlich vereinbart sei gewesen, dass Achenbach die Objekte zum Einkaufspreis weiterreiche und Provisionen erhalte.

Bei 14 Kunstverkäufen - unter anderem Bilder von Picasso, Ernst Ludwig Kirchner und Gerhard Richter - soll Achenbach laut Anklage die Einkaufspreise aber zu seinen Gunsten manipuliert haben. Teilweise habe er aus Dollar-Beträgen Euro gemacht und die Kopien der gefälschten Einkaufsrechnungen jeweils an Albrecht gefaxt. Das Picasso-Bild «La famille du jardinier» habe Achenbach für fünf Millionen US-Dollar gekauft und den Betrag auf Euro umgeschrieben, sagte Sonntag. Auch beim Geschäft mit Bildern von Roy Lichtenstein habe er Dollar-Beträge in Euro frisiert. Ein Bild von Gerhard Richter habe Achenbach für zehn Millionen Euro gekauft und für zwölf Millionen an Albrecht weitergereicht.

Albrecht habe außerdem binnen 15 Monaten neun Oldtimer der Marken der Marken Mercedes, Bentley, Bugatti, Ferrari zu Preisen zwischen 85 000 Euro und elf Millionen Euro über Achenbach gekauft. Auch bei diesen Geschäften habe Achenbach über seine Firmen die tatsächlich gezahlten Einkaufspreise manipuliert.

Achenbachs Anwalt Thomas Elsner sagte, der Marktwert der Objekte sei höher gewesen als die von Albrecht mit Aufschlag gezahlten Preise. Es sei auch stets gesichert gewesen, dass die Kunstobjekte ihren Preis wert seien. «Ein Durchreichen wäre für diesen besonderen Markt nicht üblich.» Achenbach habe Albrecht und später dessen Witwe zudem eine Rücknahmegarantie gegeben, die auch in Korrespondenzen festgehalten sei. Doch selbst nach dem Tod Albrechts habe niemand die Garantie in Anspruch genommen.

Achenbachs früherer Geschäftspartner Stefan H. bestritt vor Gericht alle Vorwürfe. Beide Kunstexperten sollen über die Kunstberatungsfirma Berenberg Art Advice, deren Geschäftsführer sie waren, zwei weitere Kunden in fünf Fällen betrogen haben. Dabei soll ein Schaden von 1,8 Millionen Euro entstanden sein. Die Privatbank Berenberg hatte die 2011 gegründete Kunstsparte aufgelöst und sich von Achenbach und H. getrennt, nachdem Unregelmäßigkeiten bei Geschäften mit dem Pharma-Unternehmer Christian Boehringer aufgeflogen waren. Achenbach hatte Boehringer daraufhin entschädigt.

In einem schon seit November laufenden Zivilprozess verlangt die Familie von Berthold Albrecht mehr als 19 Millionen Euro Schadensersatz von Achenbach. Seine Unternehmen sind inzwischen pleite. Ein Insolvenzverwalter bereitet die Versteigerung von rund 2000 Kunstwerken und zwei Oldtimern vor. In dem Strafprozess drohen Achenbach, der seit fast 40 Jahren im Kunstgeschäft ist, bis zu zehn Jahre Haft.