Kunstfund: Bayern dringt auf Verständigung mit Gurlitt

Bayern dringt auf eine Verständigung mit dem Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt über die bei ihm beschlagnahmten 1400 Bilder.

Kunstfund: Bayern dringt auf Verständigung mit Gurlitt
Andreas Gebert Kunstfund: Bayern dringt auf Verständigung mit Gurlitt

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) sagte der «Süddeutschen Zeitung», es sei im Interesse aller, «wenn es zu einer einvernehmlichen Lösung käme». Es gehe «um die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus».

Die Erforschung der Herkunft der Bilder müsse «jetzt auf breiter Front mit vereinten Kräften» erfolgen, sagte der Minister. Geklärt werden müsse, welche Bilder Nazi-Raubkunst seien. Wenn Eigentümern von Bildern, die in der NS-Zeit enteignet wurden, jetzt Verjährung entgegengehalten werde, sei das schwer erträglich. «Wir schauen uns deshalb genau an, ob für den Fall der Enteignung von Kunstwerken durch das NS-Unrechtsregime jedenfalls für bösgläubige spätere Erwerber eine Berufung darauf ausgeschlossen werden sollte», sagte Bausback.

In Gurlitts Münchner Wohnung waren im Februar 2012 rund 1400 Bilder beschlagnahmt worden, darunter Werke von Dix, Chagall und Matisse. Rund 590 Bilder könnten NS-Raubgut sein. Diese sollen von kommender Woche an im Internet zu sehen sein, wie die Leiterin der Taskforce «Schwabinger Kunstfund», Ingeborg Berggreen-Merkel, am Donnerstagabend in Berlin ankündigte. Eine erste Liste von 25 Bildern mit möglichem Nazi-Raubkunst-Hintergrund war Anfang der Woche auf www.lostart.de veröffentlicht worden.

Dass die bei Gurlitt bei Steuerermittlungen beschlagnahmten Bilder bisher unter Verschluss gehalten wurden, hatte internationale Kritik ausgelöst. Bausback sagte: «Es ist richtig, dass die politische Brisanz des Bilderfundes über eine lange Zeit nicht richtig erkannt wurde.»

Der 2012 zuständige bayerische Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) sagte der «Süddeutschen Zeitung», er habe seinerzeit von dem Fund «nicht den blassesten Schimmer gehabt» und erst aus den Medien davon erfahren: «Ich hab' als erstes gedacht: Ist denn heute der 1. April?» Für den Freistaat Bayern sei der Fall «eine Katastrophe». Der Zeitung zufolge war die Bayerische Staatsgemäldesammlung von den Ermittlern über den Bilderfund informiert worden, hatte aber Heubisch nicht unterrichtet, weil bereits Berlin mit der Erforschung der Herkunft der Bilder beauftragt worden war.