Kunstschatz-Fund: Bundesregierung schon länger informiert

Die Bundesregierung weiß bereits seit längerem über den Fund von etwa 1500 bislang verschollenen Werken aus der Zeit der klassischen Moderne in München Bescheid.

«Die Bundesregierung ist seit mehreren Monaten über den Fall unterrichtet», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Durch die Vermittlung von Experten, die sich mit «Entarteter Kunst» und von den Nationalsozialisten geraubter Kunst auskennen, würden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg auch unterstützt.

In der Wohnung des Rentners Cornelius Gurlitt hatten die Ermittler nach Recherchen des Nachrichtenmagazins «Focus» bereits im Frühjahr 2011 wertvolle Werke von Künstlern wie Pablo Picasso, Franz Marc, Paul Klee, Henry Matisse oder Max Beckmann entdeckt. Sie lagerten demnach zwischen lauter Müll. Inzwischen sollen sich die kostbaren Werke in einem Depot in Garching bei München befinden, wo sie von Sachverständigen untersucht werden. Auch die Herkunft der Bilder soll geklärt werden. Der Wert des Fundes liegt laut «Focus» bei rund einer Milliarde Euro.

Allerdings ist fraglich, ob bei der Beschlagnahme tatsächlich alle Kunstwerke entdeckt wurden. Im Spätsommer 2011, einige Monate nach der Durchsuchung, hatte Gurlitt, der Sohn des bekannten Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, das Gemälde «Löwenbändiger» von Max Beckmann zur Auktion abgegeben. Das bestätigte das Kölner Kunsthaus Lempertz am Montag der dpa. Misstrauisch sei man nicht geworden. «Das wirkte, als habe Herr Gurlitt als alter Mann sein Kronjuwel geholt, um für die letzten Jahre noch flüssiges Kapital zu haben», sagte der Justiziar des Auktionshauses Karl-Sax Feddersen. Dies sei der erste Kontakt zu Gurlitt gewesen.

Vor der Versteigerung fanden die Experten heraus, dass der «Löwenbändiger» aus dem Nachlass des Kunstsammlers Alfred Flechtheim stammte. Nach einer Einigung mit den Erben des legendären jüdischen Galeristen sei das Bild daraufhin für 864 000 Euro mit Aufschlag versteigert worden.