Kurden in Kobane weiter allein im Kampf gegen IS

Im Kampf um die von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bedrohte syrische Stadt Kobane bleiben die kurdischen Verteidiger vorerst auf sich gestellt.

Die Türkei hatte kurdischen Kämpfern der nordirakischen Peschmerga am Montag eine Passage nach Kobane gestattet - doch bislang sei noch nicht beschlossen, wann und in welchem Umfang die Unterstützung aus dem Irak eintreffe, sagte der Verwaltungschef von Kobane, Anwar Muslim, der kurdischen Nachrichtenagentur Firat. Die IS-Kämpfer setzen der seit mehr als fünf Wochen belagerten Stadt immer stärker zu. Gerüchte eines IS-Giftgasanschlags in der Nacht zum Mittwoch erwiesen sich nach Angaben von Menschenrechtlern jedoch als falsch.

Augenzeugen aus Kobane hatten in der Nacht berichtet, zahlreiche Einwohner litten an Atemnot und zeigten Symptome eines Giftgasanschlages. Tatsächlich soll es sich jedoch um eine Einzelperson handeln: «Ein Allergiepatient litt unter dem durch die Bombardierungen verursachten Rauch», sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte der dpa. Er sei in der Nacht stationär mit Sauerstoff behandelt worden und habe das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle hatte es in der Nacht mehrere heftige Explosionen gegeben. Bei Kämpfen im Osten der Stadt seien mindestens 30 Dschihadisten und elf kurdische Kämpfer getötet worden. Die IS-Kämpfer würden wie in den Tagen zuvor weitere Verstärkung aus dem Umland zusammenziehen. Wann auch kurdische Peschmerga-Kämpfer aus dem Irak in Kobane eintreffen, blieb am Mittwoch weiter offen. Weder die Verwaltung von Kobane noch die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) seien bislang von den Peschmerga kontaktiert worden, sagte Verwaltungschef Anwar Muslim.

Die Türkei hatte am Montag der Peschmerga eine Einreiseerlaubnis nach Kobane erteilt. Faktisch können so Kurden aus dem Nordirak über einen türkischen Korridor nach Nordsyrien gelangen, um dort an der Seite syrischer Kurden gegen die IS-Terrororganisation zu kämpfen. Der unmittelbare Landweg durch Syrien wird von IS-Kämpfern kontrolliert.

Die kurdisch-irakische Nachrichtenseite Rudaw hatte unter Berufung auf eine ungenannte Quelle gemeldet, die Türkei erfülle mit der Passage eine Bitte des Präsidenten der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Massud Barsani. Sein Plan sei mit der syrisch-kurdischen Partei PYD und deren Volksschutzeinheiten (YPG) abgesprochen. Ein konkreter Zeitplan besteht jedoch noch nicht.

Barsanis Stabschef Fuad Hussein spricht nach Angaben von Rudaw bisher nur von einem Einsatz einer «kleinen Gruppe Peschmerga», die innerhalb der nächsten Tage in Kobane eintreffe. Diese Gruppe werde mit schweren Waffen die Verteidiger von Kobane unterstützen. Die Waffen würden jedoch ausschließlich in Händen der Peschmerga bleiben und «von ihnen auch wieder mitgenommen werden».

Am Dienstag war im Internet ein Video aufgetaucht, das IS-Kämpfer im Besitz mutmaßlicher durch die USA abgeworfener Waffen zeigt. In der Nacht zum Montag hatten US-Transportflugzeuge erstmals Waffen und Munition sowie medizinisches Material für die Verteidiger Kobanes abgeworfen. Die Lieferungen stammen nach US-Angaben von kurdischen Stellen im Irak. Mindestens ein Paket soll dabei in feindlichem Gebiet gelandet sein. In dem Video packen Extremisten Granaten aus, deren Behälter die Aufschrift «DM41» tragen - die Typbezeichnung eines älteren deutschen Fabrikats.

Marie Harf, stellvertretende Sprecherin im US-Außenamt, hatte die Echtheit des Videos am Dienstag zunächst nicht bestätigt. «Wir haben das Video gesehen und wir können nicht bestätigen, dass das stimmt, was zu sehen ist. Es gibt viele Fehlinformationen, und speziell Propaganda im Internet und dieses Video fällt vielleicht in diese Kategorie.»

Am Montag hatte das Zentralkommando in Florida noch mitgeteilt, dass von insgesamt 28 über Kobane abgeworfen Waffenlieferungen eine herrenlose Ladung zerstört worden sei. Tags darauf stellte Pentagonsprecher John Kirby klar, dass die Ladung zwar getroffen wurde, es aber zunächst unklar sei, ob sie dabei zerstört wurde.