Kurden kontrollieren bislang größten Teil von Kobane

Die kurdischen Milizen kontrollieren nach Einschätzung des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) weiter den größten Teil der an der syrisch-türkischen Grenze gelegene Kurden-Bastion Kobane.

Kurden kontrollieren bislang größten Teil von Kobane
Sedat Suna Kurden kontrollieren bislang größten Teil von Kobane

Sie hielten den Attacken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stand, schrieb das Zentralkommando am Mittwochabend (Ortszeit) in einer Mitteilung. Das US-Militär würde die Lage in Kobane genau verfolgen, hieß es.

Bei acht Angriffen der USA und der jordanischen Luftwaffe nahe Kobane seien unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, ein Nachschubdepot sowie ein Kommandozentrum und Baracken der IS zerstört worden. Insgesamt seien am Mittwoch in Syrien neun Luftangriffe gegen die IS geflogen worden. Die USA hätten zudem drei Luftschläge im Irak ausgeführt.

US-Präsident Barack Obama gestand bei einem Besuch im Verteidigungsministerium ein, dass der Kampf gegen IS weiterhin schwierig sei. «Es bleibt eine schwierige Mission. Wie ich von Anfang an angedeutet habe, ist dies nichts, was über Nacht gelöst werden wird.»

Nach Ansicht des Pentagon reichen die Luftschläge jedoch nicht, um die Terrormiliz in die Flucht zu schlagen und die Stadt Kobane zu retten. Die Angriffe hätten in und um die an der syrisch-türkischen Grenze gelegenen Stadt zwar durchaus gewirkt, sagte Pentagonsprecher John Kirby am Mittwoch. «IS besitzt Kobane derzeit nicht.» Möglicherweise habe sich ein Drittel der Kämpfer zurückgezogen - auch wegen des militärischen Drucks, den die USA und ihre Verbündeten aus der Luft ausgeübt hätten.

Dennoch warnte Kirby, dass Luftangriffe allein nicht ausreichten, um die Belagerung Kobanes zu stoppen. Ein Grund dafür sei, dass es noch keinen «gewillten, fähigen, effektiven Partner» gebe, der das internationale Bündnis unterstützen könnte. «Es ist einfach ein Fakt. Ich kann das nicht ändern.» Deshalb drängten die USA darauf, die Trainings- und Ausrüstungsmission für die als gemäßigt geltenden syrischen Rebellen in Saudi-Arabien zu starten. Dies dürfte allerdings Monate dauern.

Angesichts der schweren Kämpfe in Kobane war am Mittwoch auch erneut die Einrichtung einer Pufferzone im Gespräch. Die mehr als eine Million Flüchtlinge, die bereits die Grenzen überquert hätten, seien ein Problem für die Türkei, den Libanon und Jordanien, sagte US-Außenminister John Kerry. Auch sein britischer Amtskollege Philip Hammond sagte bei dem Treffen mit Kerry, die Idee einer Pufferzone sei noch nicht vom Tisch.

Der Bürgermeister von Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Kurdenregion im Nordirak, fordert entschlossenere Hilfe für Kobane. «Es scheint, als wird Kobane bewusst geopfert», sagte Nihat Latif Kodscha der «Welt». «Ich kann verstehen, dass die Türkei nicht gerne mit der syrisch-kurdischen PYD zusammenarbeitet, schließlich steht sie der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die seit Jahren in der Türkei zum Teil militant aktiv ist. Aber diesen Streit sollte man jetzt beilegen und IS gemeinsam besiegen.» Auch die westliche Luftunterstützung für die Verteidiger der kurdischen Stadt sei nicht effektiv.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am Mittwochabend nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA, 19 Menschen seien bei den Protesten in der Türkei ums Leben gekommen. 145 Menschen seien verletzt worden. Zudem habe es 368 Festnahmen gegeben. Auch in Deutschland gab es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten.