Kurden vertreiben IS aus Orten im Nordirak

Die Waffenlieferungen des Westens an die irakischen Kurden zeigen Wirkung: Unterstützt von US-Luftangriffen vertrieben kurdische Einheiten die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei einer Offensive aus mehreren Orten im Nordirak.

Die Kurden setzten dabei schwere Waffen ein, die ihnen aus dem Westen geliefert worden waren, wie die irakische Nachrichtenseite Al-Mada berichtete.

Im Norden Syriens konnten die Extremisten dagegen ihren Vormarsch trotz Luftangriffen der internationalen Koalition fortsetzen. Dort rückten sie bis auf zwei Kilometer an die Stadt Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) heran. Zwischen den Stellungen der beiden Seiten liege nur noch ein freies Feld, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. «Die Kämpfer können sich sehen», sagte deren Leiter Rami Abdel Rahman.

Im Nordirak hätten die Kurden zwölf Dörfer unter Kontrolle gebracht, die meisten in der Nähe des Ortes Rabia an der Grenze zu Syrien, hieß es aus den Reihen der kurdischen Einheiten. Auch den Grenzort selbst nahmen sie laut der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw ein. Er gilt als strategisch wichtig, weil er die irakischen Kurden direkt mit den syrischen Kurden verbindet, die beide gegen die Terrormiliz kämpfen.

Die irakischen Peschmerga hatten ihre Offensive gegen den IS im Morgengrauen begonnen. Sie griffen nach eigenen Angaben an drei Fronten an. Auch südlich der Stadt Kirkuk konnten sie zwei Orte einnehmen. US-Jets bombardierten ebenfalls IS-Stellungen im Nordirak. Die IS-Kämpfer seien Richtung Syrien abgezogen, berichtete Rudaw.

Die sunnitische Terrormiliz beherrscht im Norden und Westen des Iraks noch immer riesige Gebiete. Bereits vor einigen Wochen konnten die Kurden mit Hilfe von US-Luftangriffen mehrere Gebiete zurückerobern, darunter den Mossul-Staudamm. Mehrere Staaten vor allem aus dem Westen belieferten die Kurden zudem mit Waffen. Aus Deutschland trafen Ende vergangener Woche Panzerfäuste, Gewehre und Munition ein.

Ein Kommandeur der Kurden sagte der Nachrichtenseite Rudaw, als nächstes wollten die Peschmerga die Region um die Stadt Sindschar angreifen. Die Extremisten hatten das Gebiet im August von den Kurden erobert. Die Kurden konnten sich nur mit alten Waffen verteidigen. Rund 200 000 Menschen flohen damals vor den Dschihadisten, die meisten von ihnen Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.

Im benachbarten Syrien bombardierten die USA und ihre arabischen Verbündeten IS-Stellungen in der Nähe der eingekreisten kurdischen Stadt Kobane. Das von den USA geführte Bündnis habe zwei Dörfer westlich und östlich von Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) angegriffen, teilte die syrische Beobachtungsstelle mit. In kurdischen Medien hieß es, die heftigen Kämpfe um die Stadt gingen weiter.

Die IS-Terrormiliz versucht seit Tagen, Kobane einzunehmen. Sie kontrolliert bereits Dutzende Dörfer im Umland. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde.

Einwohner von Kobane hatten kritisiert, die Zahl der Luftangriffe gegen die Extremisten sei zu gering. Die Angriffe seien zudem zu weit weg von der Front, beklagten Einwohner nach einem Bericht des US-Senders CNN. «Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Waffen. Wir brauchen effektivere Luftschläge», sagte Idriss Nassan aus Kobane. Wenn es so bleibe, «werden wir ein Massaker sehen».

Die Türkei zog angesichts des IS-Vormarschs auf Kobane Truppen an der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtete die regierungsnahe Zeitung «Sabah». Die Panzer hätten 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen.

Rund 30 Kilometer südlich von Kobane umstellten IS-Kämpfer ein von 36 türkischen Soldaten bewachtes Mausoleum. Es liegt innerhalb Syriens auf einem Stück Land, das zur Türkei gehört. Der IS hatte bereits im März den Abzug der türkischen Soldaten gefordert. Die Regierung in Ankara lehnte das ab und warnte, ein Angriff auf das Mausoleums-Gelände werde als Angriff auf die Türkei gewertet.

Das Parlament in Ankara will am Donnerstag über Resolutionen entscheiden, mit denen die Regierung ermächtigt wird, militärisch gegen Terroristen in Syrien und im Irak vorzugehen. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte eine Unterstützung der Türkei für internationale Militäreinsätze gegen den IS zuletzt nicht mehr ausgeschlossen.