Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt nach Wirtschaftsdaten

Nach zögerlichem Start hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag den Vorwärtsgang eingelegt.

Der Leitindex Dax arbeitete sich bis zum Nachmittag um 0,62 Prozent nach oben auf 9486 Punkte, der MDax mittelgroßer Werte hinkte mit plus 0,02 Prozent auf 16 570 Punkte hinterher. Der TecDax gewann 0,77 Prozent auf 1191 Punkte. Der EuroStoxx 50 legte 0,92 Prozent zu.

Aktienstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital zufolge kehren nach dem überraschend geringen Preisauftrieb in Europa nun Deflationssorgen in die Kapitalmärkte zurück. Das verstärke den Druck auf die Währungshüter, ihre Zinsen weiter zu senken oder sogar negative Zinsen wieder intensiver ins Gespräch zu bringen.

Zudem sind Konjunkturdaten aus Deutschland mit steigenden Umsätzen im Einzelhandel und einem Rückgang der Arbeitslosenquote laut Siddiqi gut ausgefallen. Wirtschaftsdaten aus den USA stützten ebenfalls.

Wegen der neu aufkeimenden Fantasie für eine weitere geldpolitische Lockerung rückten laut Händlern insbesondere die Finanzwerte in den Fokus. Überdies stützte eine positive Branchenstudie von Barclays. Europaweit legte der Bankenindex mit einem durchschnittlichen Plus von 2,75 Prozent am stärksten zu, gefolgt vom Branchenindex der Versicherungswerte.

Im Dax kletterte die Commerzbank-Aktie mit plus 5,00 Prozent auf 12,29 Euro an die Spitze. Sie ist damit so teuer wie seit März nicht mehr. Die Papiere der Deutschen Bank verteuerten sich um 2,91 Prozent.

BASF-Papiere zogen nach einem positiven Analystenkommentar um 2,49 Prozent an. Ein Börsianer verwies zusätzlich auf positive Entwicklungen in Libyen, die die dortigen Probleme für den Konzern bei der Erdölförderung früher als bisher erwartet lösen könnten. Ohne neue Nachrichten rutschten dagegen Lanxess-Aktien mit minus 1,02 Prozent ans Dax-Ende. Infineon-Titel ignorierten optimistische Äußerungen der Analysten von Barclays und bröckelten etwas ab.

Auch im MDax sorgten Studien für größere Kursbewegungen: Die Aktie des Modekonzerns Hugo Boss verbilligte sich nach einer Abstufung der französischen Großbank Societe Generale am Indexende um 2,20 Prozent. Favorit waren dagegen Tui-Papiere mit plus 3,74 Prozent nach Kurszielerhöhungen durch Morgan Stanley und die UBS.

Gestützt auf Übernahmefantasien knüpfte die Nordex-Aktie an ihren jüngsten Höhenflug an. Sie gewann 6,19 Prozent. Im Gespräch mit dem «Wall Street Journal Deutschland» hatte Unternehmenschef Jürgen Zeschky gesagt, der Windkraftanlagenbauer könnte zum Übernahmeziel chinesischer Konkurrenten werden. Papiere von Carl Zeiss Meditec verloren dagegen nach vorläufigen Zahlen zum ersten Geschäftsquartal und einer Übernahme am Ende des Technologieindex 4,22 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,60 (Montag: 1,61) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 132,45 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,14 Prozent auf 139,81 Punkte. Der Euro stieg. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3641 (1,3602) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7331 (0,7352) Euro.