KZ-Überlebende erinnern an Befreiung von Auschwitz

Am 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz haben führende Politiker zum entschlossenen Vorgehen gegen Rassismus und Antisemitismus aufgerufen.

KZ-Überlebende erinnern an Befreiung von Auschwitz
Wolfgang Kumm KZ-Überlebende erinnern an Befreiung von Auschwitz

Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski sagte im ehemaligen deutschen NS-Vernichtungslager: «Die deutschen Nationalsozialisten haben meine polnische Heimat zum ewigen jüdischen Friedhof gemacht. Auschwitz sei eine «Hölle von Hass und Gewalt» gewesen, sagte er vor mehr als 300 Überlebenden.

Unter nationalsozialistischer Herrschaft waren in Auschwitz-Birkenau während des Zweiten Weltkriegs mindestens 1,1 Millionen Menschen vergast, zu Tode geprügelt oder erschossen worden.

US-Präsident Barack Obama warnte vor einem wachsendem Antisemitismus. Dabei verwies er auf die jüngsten Terrorangriffe in Paris, bei denen auch Juden getötet wurden. Die Morde mahnten schmerzhaft zur Verpflichtung, Antisemitismus in all seinen Formen zu bekämpfen. Dazu gehöre auch eine «Trivialisierung des Holocausts».

Die allermeisten Opfer in Auschwitz waren Juden. Aber auch Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, Polen, Homosexuelle und politische Häftlinge wurden im größten deutschen Vernichtungslager getötet. Als Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 das Lager befreiten, fanden sie dort rund 7500 kranke und entkräftete Häftlinge. Die SS hatte sie zurückgelassen, als sie Zehntausende Gefangene auf Todesmärsche in den Westen zwang.

Bundespräsident Joachim Gauck sieht Deutschland 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz in der moralischen Pflicht zum Schutz von Flüchtlingen und Menschenrechten. «Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz», sagte Gauck in einer Sondersitzung des Bundestages. Aus dem Erinnern an das Menschheitsverbrechen des millionenfachen Mordes an Juden ergebe sich ein Auftrag. «Er sagt uns: Schützt und bewahrt die Mitmenschlichkeit. Schützt und bewahrt die Rechte eines jeden Menschen.» Die Deutschen müssten sich «jeder Art von Ausgrenzung und Gewalt entgegenstellen, und jenen, die vor Verfolgung, Krieg und Terror zu uns flüchten, eine sichere Heimstätte bieten». 

Bei der internationalen Gedenkfeier im ehemaligen Vernichtungslager wollten rund 300 der inzwischen hochbetagten früheren Häftlinge an die Opfer erinnern, die Auschwitz nicht überlebt haben. Vor Staats- und Regierungschefs sowie Regierungsmitgliedern aus rund 50 Staaten sollten drei ehemalige Auschwitz-Häftlinge stellvertretend für die anderen Überlebenden das Wort ergreifen. Als einziger Politiker sprach Staatspräsident Komorowski.

Der russische Präsident Wladimir Putin, der in Auschwitz nicht dabei war, zündete bei einer Gedenkfeier im Jüdischen Museum in Moskau mit Oberrabbiner Berel Lazar schwarze Kerzen an. Putin würdigte dabei auch den großen Beitrag des jüdischen Volkes im Kampf gegen den Faschismus. Eine halbe Million Juden hätten in der Roten Armee gekämpft, fast 200 000 seien gefallen.

In Russland gab es zum Teil empörte Reaktionen, dass Putin als Vertreter der Befreier nicht explizit als Ehrengast zum Gedenken in Auschwitz eingeladen worden war. Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, die die Feier organisierte, hatte keine Staats- und Regierungschefs eingeladen. Es sei jedem freigestellt, zu kommen, hieß es. Offizielle Einladungen habe Polen an niemanden verschickt.

Auch in Jerusalem und Prag gab es Veranstaltungen. In Großbritannien stand das Gedenken unter dem Motto «Die Erinnerung am Leben halten». Die UN-Gedenkveranstaltung mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin wurde aus Furcht vor einem Schneesturm in New York verschoben.

Papst Franziskus schrieb: «Auschwitz schreit den Schmerz unermesslichen Leids hinaus und ruft nach einer Zukunft in Respekt, Frieden und der Begegnung der Völker.».