Lachen und loben unter neuem Hertha-Coach Dardai

Selten haben die Spieler von Hertha BSC in der jüngeren Vergangenheit so viel gelacht im Training. Es wird geklatscht, geflachst und gelobt.

Lachen und loben unter neuem Hertha-Coach Dardai
Oliver Mehlis Lachen und loben unter neuem Hertha-Coach Dardai

Nach der Entlassung des strengen Trainers Jos Luhukay und der Berufung von Pal Dardai zum Interims-Coach scheint beim Tabellenvorletzten der Fußball-Bundesliga die Verkrampfung einer gewissen Lockerheit gewichen zu sein.

Dardai ist mit seiner Gelassenheit und seinem Optimismus quasi das Gegenmodell zu Luhukay. Der Niederländer kritisierte in jüngster Vergangenheit Spieler öffentlich und reagierte zunehmend genervt auf die Fehler seines Personals.

Der Ungar Dardai hebt indes lieber das Positive hervor und spart nicht mit Lob in den Übungseinheiten. Er will das Selbstvertrauen der Spieler wieder stärken. Bis zur ersten Bewährungsprobe als hauptverantwortlicher Hertha-Coach am Samstag (15.30 Uhr) bei Mainz 05 bleibt ihm kaum Zeit.

Im taktischen Bereich kann er bis dahin nicht viel bewirken. «Wir versuchen jetzt mit positiver Stimmung etwas aufzubauen», bemerkte Dardai. Die Mannschaft habe die Qualität für seine Vorstellung von Fußball. «Wir werden das schon hinkriegen», meinte er gut gelaunt. Zweifel scheint er keine zu haben.

Dass der Berliner Bundesligist zuletzt in der Offensive harmlos agierte und in den vergangenen drei Spielen nicht einen Treffer erzielte, kann er kaum verstehen. Der frühere Hertha-Profi ist erfahren genug. Er weiß, dass sich die Probleme der Spieler nach dem Negativ-Lauf im Kopf abspielen. Von der körperlichen Verfassung seines Teams ist der 38-Jährige jedenfalls überzeugt: «Von der Fitness her ist alles in Ordnung.»

Das Hertha-Urgestein identifiziert sich voll und ganz mit dem Hauptstadtclub. Er gehörte zum Aufsteigerteam von 1997 und erlebte die großen Zeiten in der Champions League mit Partien in Mailand oder in Barcelona. Mit 286 Bundesliga-Partien ist er Herthas Rekordspieler.

So musste Dardai auch nicht lange überlegen, als er am späten Mittwoch von Manager Michael Preetz gefragt wurde, ob er den Trainerposten übernehmen wolle. «Das ist eine Ehrensache», sagte Dardai bei seiner Vorstellung, «ich bin Berliner, bin Herthaner, habe blaues Blut.» Gleichzeitig bleibt Dardai wohl auch Nationaltrainer Ungarns. Doch seine Prioritäten sind klar: «Ungarn ist natürlich wichtig für mich - doch Hertha ist sehr, sehr wichtig.»