Lady Gaga in Berlin: Gesamtkunstwerk mit Schnurrbart

Sie kam in schwarzer Unterwäsche und mit Schnurrbart. Von wegen Hüft-OP: Lady Gaga turnte am Donnerstagabend bei der Vorstellung ihres neuen Albums wie eine Gogo-Tänzerin durch das Berliner Berghain, dessen Partys sie von früher kennt.

Lady Gaga in Berlin: Gesamtkunstwerk mit Schnurrbart
Britta Pedersen Lady Gaga in Berlin: Gesamtkunstwerk mit Schnurrbart

Für ihren «Lieblings-Fetischclub» habe sie ihr «Lieblings-Fetisch-Outfit» ausgewählt, erzählte sie vor einer Wand aus Kameras. Und: «Deutschland hat mich schon immer inspiriert.»

Ein Abend mit der amerikanischen Pop-Diva, die laut ihrer Plattenfirma 24 Millionen Alben verkauft hat, ist ein Ereignis, das auch in der abgeklärten Hauptstadt etwas Aufregung bringt und Fans verzückt. Nach ihrer Operation im Winter hatte die 27-Jährige pausiert. Es war zeitweise ungewohnt ruhig um sie, selbst im Internet bei Twitter.

Das ist längst wieder anders. Die PR-Maschine für ihr drittes Album («Artpop»), das am 8. November erscheint, rollt. Ihre Single «Applause» rangiert auf Platz 8 der US-Charts. Sie bastelt am Comeback und am Image, ein Gesamtkunstwerk zu sein.

«Wenn Andy Warhol noch leben würde, er hätte seine helle Freude an ihr», stellte Modedesigner Michael Michalsky fest. Ihre Garderobe, allen voran der Auftritt im Fleisch-Kleid, ist legendär. Beim Berlin-Besuch wurde die Musikerin in einem Kostüm gesichtet, bei dem der Kopf in einem Strohballen-ähnlichen Ungetüm steckte. Eine Betrachterin rätselte: «Wo ist vorne?»

Vor dem Auftritt im Berghain ließ Lady Gaga ihre 40 Millionen Anhänger im Internet unverblümt wissen, sie sei so aufgeregt, dass sie in ihre Tasche «kotzen» könnte. Die Show absolvierte sie dann aber souverän.

Während eine Stunde lang Elektro-Pop durch die Kraftwerk-Halle dröhnte, dass die Hornbrillen im Publikum wackelten, tanzte Lady Gaga auf einem Podest im Gewühl. Zwischendurch saß sie auf einer Couch und trank Dosenlimo neben kaugummikauenden Bodyguards. Solche Bilder wären bei Madonna wohl undenkbar.

Trotz der Lockerheit hatte Lady Gaga aber die Kontrolle: Handys wurden vorher einkassiert, Fragen von Journalisten waren nicht erwünscht. Es war kein Konzert, sondern eine «Listening-Session» mit Musik vom Band und Live-Einlagen. Manche der 600 Gäste hatten sich mit Glitzer und gaga-esken Kostümen herausgeputzt.

Die Fans, im Gaga-Kosmos «kleine Monster» genannt, konnten sich vorher mit Fragen um Karten bewerben. Die Fragestunde brachte Streicheleinheiten für beide Seiten. Mit einer Frau flirtete sie ein bisschen und bekannte sich zur Bisexualität. Wer darin einen PR-Trick sieht: «Das ist eine verdammte Lüge.»

Listen, die sie zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt zählen, sieht Lady Gaga mit gemischten Gefühlen: «Das Internet ist ein sehr seltsamer Ort.» Ihr Bogen reichte bis zur Kunst von Jeff Koons und den Suppendosen von Warhol. Vor allem schwärmte die Sängerin von ihren Fans - wie eine Mutti von ihren Kindern: «Ihr seid mir alle gleich wichtig, und ich liebe euch alle.»