Länder-Umfrage: Nicht nur Bayern gerät an seine Grenzen

Die Unterbringung der Flüchtlinge bringt mittlerweile alle Bundesländer an ihre Grenzen. Zuletzt fühlte sich vor allem Bayern von den anderen Ländern im Stich gelassen. Davon wollen diese aber nichts hören: Man arbeite gut mit den Kollegen aus Bayern zusammen und unterstütze, wo man könne.

NORDRHEIN-WESTFALEN: In Nordrhein-Westfalen droht mittlerweile dasselbe Problem wie in Bayern, hieß es in Düsseldorf. Innerhalb einer Woche waren ungefähr 10 000 Flüchtlinge in Sonderzügen aus Bayern nach NRW gekommen. «Wir stehen schon die ganze Woche an der Seite der Kollegen in Bayern und schaffen täglich neue Kapazitäten», sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag. «Wir wissen jedoch nicht, wie lange wir das noch durchhalten.»

BERLIN/BRANDENBURG: In Berlin lähmen die Asylanträge bereits die eigentliche Arbeit der Polizei. Nachts und an den Wochenenden müssen die Beamten dort nämlich übernehmen, wenn das Landesamt für Gesundheit und Soziales als Registrierungsstelle geschlossen hat.

Mit einem Sonderzug sollten am Sonntag rund 600 Flüchtlinge aus München ankommen. Bereits in der vergangenen Woche habe Berlin rund 5500 Flüchtlinge aus München und Salzburg aufgenommen, sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding. Auch Brandenburg wollte gemeinsam mit Berlin Flüchtlinge aus München unterbringen.

SACHSEN: Maximal 300 bis 400 Flüchtlinge könne Sachsen an diesem Wochenende über das reguläre Kontingent aufnehmen, um Bayern zu helfen, erklärte Innenminister Markus Ulbig (CDU). Ob und wie viele Asylbewerber tatsächlich aus München nach Sachsen kommen, stand allerdings noch nicht fest.

SACHSEN-ANHALT: «Riesige Kapazitäten» habe auch Sachsen-Anhalt nicht, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Allein seit Freitagabend kamen rund 400 weitere Flüchtlinge in dem Bundesland an. Die meisten wurden in der Zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge in Halberstadt (Zast) untergebracht, wo jetzt rund 2500 Menschen leben. «Ein unbegrenzter und unkontrollierter Zugang von Flüchtlingen überfordert alle Beteiligten und gefährdet die Integrationsbemühungen», warnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

THÜRINGEN: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) forderte, aus dem Güterbahnhof am Flughafen Leipzig-Halle ein Drehkreuz zu machen. Es gehe darum, dass Flüchtlinge geordnet aussteigen könnten, sagte er. Gespräche darüber gab es bereits, eine Entscheidung dazu ist aber noch nicht gefallen. Seit Samstagabend kamen in Thüringen rund 300 Menschen an.

NIEDERSACHSEN: Ein weiteres Drehkreuz für die Verteilung von Flüchtlingen entsteht in der Lüneburger Heide. Asylbewerber sollen direkt per Bahn von Österreich in die Nähe von Bad Fallingbostel gebracht werden, dort in Busse umsteigen und auf die norddeutschen Länder verteilt werden. Nach Angaben des Innenministeriums hat Niedersachsen seit Anfang September 5800 Flüchtlinge aufgenommen. Davon seien rund 2300 aus Bayern gekommen.

BADEN-WÜRTTEMBERG: «Wir machen, was überhaupt möglich ist», sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet in Stuttgart. Der Südwesten habe in der vergangenen Woche 2000 Flüchtlinge von München übernommen, am Wochenende weitere 1500. Zugleich müssten aber auch die regulär kommenden Flüchtlinge untergebracht werden.

SAARLAND: Mit Bussen wollte das Saarland 100 Flüchtlinge aus München abholen, um sie bei sich aufzunehmen, erklärte Regierungssprecher Thorsten Klein. Damit nehme das Bundesland insgesamt 800 über Ungarn und München eingereiste Menschen auf. Nach Angaben des saarländischen Innenministeriums kommen darüber hinaus etwa 125 Flüchtlinge pro Tag im Saarland an. Die Erstaufnahme sei dabei eigentlich schon ausgelastet.