Landeschefs positionieren sich: Weichenstellung beim DFB

Die Präsidentenfrage, die Aufklärung der WM-Affäre, die Strukturreform: Die 21 Landeschefs des Deutschen Fußball-Bundes haben bei ihrem Treffen am Dienstag in Hannover jede Menge Baustellen zu bearbeiten.

Landeschefs positionieren sich: Weichenstellung beim DFB
Arne Dedert Landeschefs positionieren sich: Weichenstellung beim DFB

Angesichts der Brisanz um die längst laufende Personaldebatte hüten sich die Funktionäre davor, diese weiter anzuheizen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rainer Grindel - oder doch Interimspräsident Rainer Koch? Die Kandidatenfrage bei den Amateuren könnte am Rande des Länderspiels beantwortet werden. Die Zeit drängt, ein außerordentlicher Bundestag wird für Anfang nächsten Jahres erwartet.

Der hessische Landesverbandspräsident Rolf Hocke rechnet auch mit neuen Ermittlungsergebnissen zur Vergabe der WM 2006 nach Deutschland. «Ich erwarte aktuelle Zwischenberichte von der Steuerbehörde und der Wirtschaftskanzlei Freshfields», sagte Hocke der Deutschen Presse-Agentur. Die Kanzlei wurde vom DFB mit der externen Untersuchung der Vorwürfe beauftragt, wonach es unsaubere Geschäfte rund um die WM-Vergabe 2000 gegeben hat. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt im Zuge der dubiosen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des DFB an den Weltverband FIFA wegen des Verdachts der Streuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Festgezurrt werden soll nun der Zeitplan, wie es in der größten Krise des DFB weitergehen soll. Koch zeigte sich «sehr sicher», dass man eine «einheitliche Position» entwickeln und damit auf die Liga zugehen werde. Am Freitag solle in der DFB-Präsidiumssitzung dann besprochen werden, «ob es einen außerordentlichen Bundestag gibt, ob es zu einer baldigen Neuwahl des Präsidiums kommt», sagte Koch.

Koch hat bisher auf die zahlreichen Nachfragen, ob er als DFB-Präsident selbst kandidieren werden, nicht geantwortet. Allerdings hat sich der 56 Jahre alte Richter am Oberlandesgericht München in den vergangenen Tagen mit zahlreichen Fernsehauftritten Profil verschafft. Rauball erklärte bereits seinen Verzicht.

Als bisheriger Favorit des Amateur-Lagers gilt DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel, was Karl Rothmund vor einigen Tagen publik gemacht hatte. Niedersachsens Landeschef ist inzwischen etwas zurückgerudert, weil der Verband keine öffentliche Debatte um Personen haben will.

Auch Grindel schweigt sich zu seinen Ambitionen in der Öffentlichkeit aus, ist aber interessiert. Seine Doppelfunktion als DFB-Spitzenmann und CDU-Bundestagsabgeordneter hat ihm jedoch schon in der Vergangenheit Schwierigkeiten eingebracht. Er müsste wohl das Mandat in der Politik aufgeben - wenn er im Fußball ganz nach oben will.

Der Profifußball würde allerdings einen Präsidenten aus der Liga - wie zuletzt den inzwischen verstorbenen Gerhard Mayer-Vorfelder - bevorzugen. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sich bereits gegen die Doppelspitze Koch/Rauball als Interimsführung ausgesprochen und gesagt: «Ich würde empfehlen, dass Dr. Rauball, der nachweislich kein Interesse hat, Präsident des DFB zu werden, dass er völlig wertfrei die Geschäfte führt.»

Derweil sind erneut die Zweifel an der Gemeinnützigkeit des DFB  aufgekommen. Die internationalen Profisportverbände dürften «nicht länger quasi steuerrechtsfreie Räume sein», sagte Norbert Walter-Borjans (SPD), Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, im Sportmagazin «Kicker» (Montag). Der SPD-Politiker forderte: «Wenn wir dem Sport einen Dienst erweisen wollen, müssen wir akribisch trennen zwischen Mega-Business einerseits und der hohen gesellschaftlichen Bedeutung des Breitensports. Letzteres ist gewiss gemeinnützig, das große Geschäft ganz sicher nicht.»

Die zuständige Oberfinanzdirektion wollte sich nicht konkret dazu äußern, ob die Gemeinnützigkeit des weltweit größten Sportfachverbandes der Welt (knapp 6,9 Millionen Mitglieder) gefährdet ist. Ein Sprecher erklärte dem «Kicker» aber ganz allgemein, «dass Ermittlungsergebnisse von den Finanzämtern stets zum Anlass genommen werden, einen Fall erneut rechtlich zu beurteilen». Nach Schätzungen des «Kicker» spart der DFB jährlich bis zu 20 Millionen Euro durch seinen Status der Gemeinnützigkeit.