Langer sagt St. Andrews mit Par-Runde «Goodbye»

Ein letztes Winken von der legendären Swilcan Bridge auf der 18. Bahn in St. Andrews, den Klang der vielen langgezogenen «Börrnhard»-Rufe im Ohr, da kam viel Wehmut bei Bernhard Langer auf.

«Ja sicher. Ich habe viele Erinnerungen an diesen Ort, vielleicht ist es das letzte Mal gewesen», bekannte der mit 57 Jahren zweitälteste Spieler im verbliebenen Feld der besten Golfer der Welt bei der British Open. Die Platzierung am Ende des Leaderboards war ihm egal, auf seine Runden von 74, 70, 73 und 72 Schlägen war er angesichts des Wetterchaos an der schottischen Küste ein wenig stolz.

Und zu gern gingen die Gedanken an die Anfänge zurück, als er 1978 als 20 Jahre alter Jungprofi bei seiner ersten Open Championship in einem alten Opel übernachtete und kein Geld für einen Caddie hatte. Die Story erzählen sich die Älteren unter den golfverrückten britischen Fans noch heute. «Die Geschichte kennen nicht so viele», meinte Langer und schmunzelte. Das Preisgeld damals: 175 Pfund.

Inzwischen hat der erste deutsche Golfstar an die 100 Profi-Turniere auf allen fünf Kontinenten gewonnen und allein an Preisgeldern auf der Europa- und der US-PGA-Tour mehr als 20 Millionen Euro verdient. Sein Lebensmittelpunkt ist in Boca Raton/Florida. Wie viel ihm das einzige europäische Major bedeutet, zeigte schon die Begleitung seiner amerikanischen Frau und drei seiner Kinder nach Schottland.

Die begehrte «Claret Jug» (Silberkanne) der Open Championship hielt der zweimalige Masterssieger aber nie in seinen Händen. 1984 war er in St. Andrews am dichtesten dran, als er gegen den inzwischen gestorbenen Spanier Seve Ballesteros verlor. «Viele Menschen kennen mich hier, weil sie sich an meine Rivalität mit Seve erinnern», meinte Langer.

«1981 in St. George war ich wohl noch nicht reif genug, 1985 habe ich als Führender den ersten Putt verschoben und wurde unsicher. Und auch 2001 hatte ich ein Chance», erzählte der zweimalige Zweite und viermalige Dritte des Prestige-Events.

Das Erstaunliche: Während Topstars wie die Amerikaner Bubba Watson oder Tiger Woods am wetterabhängigen schottischen Golf verzweifelten, kann der Stratege aus Anhausen immer noch mithalten. Seit Jahrzehnten quält ihn der Rücken - aber kaum jemand tut mehr für die Fitness und redet so wenig über die vielen Wehwehchen. Nicht ganz glücklich war er über die Verlängerung bis zum Montag. «Das Wetter war bescheuert», meinte er vor seiner zügigen Abreise am Abend.

Schon am Donnerstag schlägt Langer in Sunningdale bei London bei der British Senior Open ab, wo er seinen Titel verteidigen will. Im Vorjahr hatte er mit 13 Schlägen Vorsprung die Ü-50-Liga dominiert und sich für die «richtige» Open qualifiziert. Die nächste Auflage der Open Championship im geschichtsträchtigen St. Andrews ist erst für 2021 zum 150. Jubiläum vorgesehen - da wäre der Routinier 63. Nicht einmal er selbst glaubt daran, sich dann noch einmal ins Feld zu mischen.