Lawrow: Mord an Nemzow nicht für politische Ziele benutzen

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat davor gewarnt, den Mord an dem Oppositionspolitiker Boris Nemzow für politische Ziele zu benutzen. Solche Versuche seien «verachtenswert», sagte Lawrow vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.

«Es geht um ein abscheuliches Verbrechen, das vollständig im Rahmen der Gesetze untersucht wird, um sicherzustellen, dass die Täter vor Gericht kommen», sagte der Minister. Präsident Wladimir Putin persönlich überwache die Ermittlungen. Ohne einzelne Staaten zu nennen, warnte Lawrow auch davor, «die noblen Prinzipien der Menschenrechte für die Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Ziele zu missbrauchen».

Russischen Medien zufolge ist ein Experte für Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund zum Sonderermittler ernannt worden. Mit dem Fall befasse sich General Igor Krasnow, der eine zwölfköpfige Sonderkommission leite. Demnach hatte der General auch die politischen Morde an dem kremlkritischen Anwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasia Baburowa aufgeklärt. Sie waren 2009 erschossen worden.

Das dürfte auf den Hauptermittlungsansatz hindeuten: ein Mord, womöglich verübt von Nationalisten, die aus Hass auf die prowestliche Opposition gehandelt haben könnten, wie Kommentatoren meinten. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Die Stadt Moskau wies Medienberichte zurück, nach denen zahlreiche Kameras der Videoüberwachung zur Tatzeit abgeschaltet gewesen seien. Alle funktionierten, heißt es. Die Aufnahmen würden ausgewertet.

Der Kremlkritiker Nemzow war am späten Freitagabend mit vier Schüssen in den Rücken auf einer Brücke in Kremlnähe getötet worden. Der 55-Jährige starb am Tatort. Der Täter entkam unerkannt. Kremlchef Wladimir Putin teilte mit, dass alles für die Aufklärung des «zynischen Mordes» an seinem Gegner getan werde.