Lawrow und Kerry verhandeln über Waffenruhe in Syrien

Bei der Syrien-Konferenz in München haben Russland und die USA einen Neuanlauf für einen Waffenstillstand in dem Bürgerkriegsland gestartet.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry hätten sich unter anderem über eine mögliche Waffenruhe sowie humanitäre Hilfe unterhalten, hieß es aus Moskau. Die diplomatischen Bemühungen waren von weiteren Kämpfen um die syrische Stadt Aleppo begleitet.

Zuvor hatte bereits der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin erklärt, man führe «sehr wichtige» Gespräche mit Washington über einen Waffenstillstand. Ob aber eine Einigung in greifbarer Nähe ist, war zunächst unklar. Westliche Länder werfen Russland vor, mit Bombardements in Syrien Zivilisten zu treffen und das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zu stützen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hofft dennoch auf einen Durchbruch in München. «Wenn es uns nicht gelingt die Spirale von Gewalt und Gegengewalt jetzt zu durchbrechen, dann wird sich dieser furchtbare Bürgerkrieg weiter in die Länge ziehen und weitere Opfer verursachen.»

Im Syrienkrieg gab es bislang nur geografisch sehr begrenzte Feuerpausen in einigen Dörfern, aber keine Waffenruhe im ganzen Land. Mehr als 250 000 Menschen wurden in dem brutalen Konflikt getötet, Millionen in die Flucht geschlagen.

Am Abend begannen in München die Gespräche der sogenannten Syrien-Unterstützergruppe, der 17 Staaten angehören, die eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche ausloten wollten. An dem Treffen nahmen alle Länder teil, die für die Beendigung des seit fünf Jahren andauernden Bürgerkriegs eine Schlüsselrolle haben. Dazu zählen auch Saudi-Arabien und Iran. Die Friedensgespräche in Genf waren vor einer Woche nach nur fünf Tagen abgebrochen worden.

Lawrow hatte der Agentur Tass zufolge vorher gesagt: «Wir haben unsere konkreten Vorschläge zur Einstellung des Feuers unterbreitet und warten auf die Antwort der USA, bevor die Vorschläge der internationalen Syrien-Gruppe vorgelegt werden.»

Am Abend meldete Tass, für einen Beginn der Waffenruhe seien der 15. Februar, der 23. Februar und der 1. März im Gespräch. Das US-Außenministerium äußerte sich zunächst nicht zu einem Termin. Aus dem Kreml hieß es, man stimme sich ab, von Einmütigkeit könne noch nicht die Rede sein.

Kurdische Truppen eroberten mit Luftunterstützung nördlich von Aleppo einen Luftwaffenstützpunkt von islamistischen Rebellen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging davon aus, dass die mindestens 30 Bombardements in dem Gebiet von russischen Maschinen ausgeführt wurden. «Es gibt eine inoffizielle russisch-kurdische Koordination in Syrien», sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel-Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.

Seit Anfang Februar rücken die Kämpfer des Machthabers Baschar al-Assad nördlich von Aleppo gegen Rebellen vor. Die massiven Kämpfe und Bombardements trieben Zehntausende Bewohner zur Flucht in Richtung Türkei. Trotz internationaler Appelle verweigert die Türkei ihnen an der Grenze aber bislang die Einreise.

Die syrische Opposition forderte die Assad-Regierung und deren Unterstützer eindringlich zu einem Ende der Gewalt auf. Die Angriffe auf Wohnviertel, Schulen und Krankenstationen müssten aufhören, sagte der Chef des Hohen Verhandlungskomitees der Regimegegner (HNC), Riad Hidschab, am Abend in München. Mit Blick auf die russischen Bombardements auf Aleppo sprach er von einer «nie gekannten Eskalation».