Leergut und Haribu: Jauch und Gottschalk gewinnen Show

Günther Jauch hat seinen nächsten runden Geburtstag erst in drei Jahren, Thomas Gottschalk gar in sieben. Und doch hat die Premiere der neuen RTL-Show «Die 2» viel von einer öffentlich-rechtlichen Geburtstagsehrung.

Leergut und Haribu: Jauch und Gottschalk gewinnen Show
Andreas Friese/RTL Leergut und Haribu: Jauch und Gottschalk gewinnen Show

Da werden alte Bilder und Filme mit hässlichen Frisuren herausgekramt, intime Fragen gestellt. Damit man Neues erfährt. Auch Jauch über Gottschalk übrigens. Rührend seine Reaktion: «Du bist tätowiert? Wo?» Nur dass der Privatsender RTL drum herum noch eine Show entworfen hat, mit der er die Wiedervereinigung der Legenden Jauch (57) und Gottschalk (63) feiert.

Grob erklärt ist «Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle» eine Mischung aus «Wer wird Millionär?» («WWM») und «Schlag den Raab» - aber eher Denksport als Sport. Die Gladiatoren gehen in den ersten Spielen klar in Führung. So errechnet Jauch etwa, dass 100 Millionen Ein-Cent-Münzen mehr wiegen als die 500 Zuschauer im Studio. Die erste Sendung gewinnen die beiden Showgrößen am Ende souverän für sich. Vielleicht zu souverän - im Studio branden zwischenzeitlich vereinzelte «Buh»-Rufe auf. So ganz wohl scheint den beiden Helden bei den ersten Erfolgen nicht zu sein, wollen sie doch vor allem eines: sympathisch sein, unterhalten, nicht oberlehrerhaft wirken.

Die zwei entscheiden am Montagabend das Match im Finale am Ende gegen eine junge Mutter aus dem Publikum, indem sie die Zahl aller Bundesliga-Tore des FC Bayern München ziemlich genau schätzen. Auch zuvor erreicht das Entertainer-Duo in fast allen Runden Sieg oder Patt. In der Tradition des ehemaligen «Wetten, dass..?»-Moderators Gottschalk überzieht das neue RTL-Format die Sendezeit um 24 Minuten. Auch die Tonprobleme am Montag erinnern an Fernsehklassiker.

Zwischendurch lässt sich Jauch Sätze entlocken wie: «Nein, eine glückliche Teenagerzeit hatte ich nicht. Mit verschiedensten Problemen, die man in der Pubertät hat - die war bei mir etwas später. Das war eine Zeit, in der ich mich nicht sehr wohlfühlte.» Die Schauspielerin Karin Dor fand er damals «unvorstellbar» schön.

Es zeichnet sich eine Rollenverteilung ab: Jauch ist fürs Rechnen und Analysieren zuständig. Gottschalk ist der Klassenclown, der Jauch die meiste Arbeit überlasst und dann Sachen sagt wie: «Jetzt hab' ich es auch begriffen.» Einen Höhepunkt erreicht die Show, als Jauch an einer nachgemachten Helikopter-Kufe - eine Erinnerung an waghalsige Stunts in den 80ern - in die Höhe gezogen wird, während Gottschalk schließlich seine Allgemeinbildung in einem Quiz unter Beweis stellt.

Doch trotz prominenter Unterstützung durch Altstars wie Otto Waalkes und Henry Maske: Den emotionalsten Augenblick bekommt der Zuschauer zu sehen, als die junge Mutter um ihren Anteil an 100 000 Euro kämpft. Sie bedroht den Vorsprung der Showmaster kurz vor Schluss noch einmal und schätzt den Wert von angehäuftem Leergut besser als die Männer in Anzügen, die mit den diversen Pfandsystemen fremdeln. Und doch kämpft sie vergeblich. 2000 Euro Kandidatengeld darf sie dann behalten. Dazu schenken Jauch und Gottschalk ihr jetzt noch eine Reise. Ihren Hauptgewinn spenden die zwei an Hilfsprojekte.

Das Publikum ist nach dem dreistündigen Showmarathon in seinen Reaktionen bei Facebook sehr gespalten. Manche loben mit Sätzen wie «Toll war's!!! İch hab viiiiieeeel gelacht. Freu mich schon auf's naechste mal.» Eine andere Nutzerin kritisiert: «fuer montag abend zu lang!!» Und dann gibt es noch manche Häme wie: «Das erinnert an "Waldorf und Statler" aus der Muppet Show - nur dass die lustig waren.» (Rechtschreibung der Facebook-Nutzer wurde nicht korrigiert.)

Gottschalk, der zuletzt noch eine Schleichwerbung von Stefan Raab beim Sommer-«Wetten, dass..?» kritisiert hat, bringt Moderatorin Barbara Schöneberger dann noch kurz in Verlegenheit, als die Blondine nach seinem Autokennzeichen beim US-Domizil in Kalifornien fragt. «HARIBU», sagt er, ein Buchstaben-Mix aus Haribo und Malibu. «Du hast gefragt - und ich lüge nicht im Fernsehen», sagt Gottschalk unschuldig. Er ist seit Jahren Werbegesicht des Süßwarenherstellers.