Lehrerin soll Jugendlichen Drogen verkauft haben

Sie hätte es wirklich besser wissen müssen: Ausgerechnet eine Lehrerin soll in der Pfalz jahrelang Cannabis an Minderjährige und junge Erwachsene verkauft haben.

Lehrerin soll Jugendlichen Drogen verkauft haben
Uwe Anspach Lehrerin soll Jugendlichen Drogen verkauft haben

Die 50-Jährige steht nun in Neustadt an der Weinstraße vor Gericht. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Ursula R. - dünn, schwarz gekleidet, lange dunkle Haare - wirkt traurig und verloren, als sie am Dienstag in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird. Schon vor Verhandlungsbeginn bricht sie fast in Tränen aus. Die Frau, die als Aushilfslehrerin für Kunst und Mathematik an Gymnasien in der Pfalz gearbeitet hat, soll von Sommer 2010 bis Januar 2013 in zehn Fällen gewerbsmäßig Cannabis an einen Minderjährigen verkauft haben. Allein darauf stehe eine Mindeststrafe von zwei Jahren Gefängnis, sagt Staatsanwalt Kai Ankenbrand. Die Frau habe dem Jugendlichen jeweils 100 Gramm Marihuana verkauft.

In 18 weiteren Fällen habe es sich bei den Abnehmern um Erwachsene gehandelt - die allerdings teilweise noch sehr jung gewesen seien. Bei einer Durchsuchungsaktion Anfang des Jahres fanden die Ermittler in der Wohnung der Frau in Neustadt knapp zwei Kilo Marihuana sowie kleine Mengen Haschisch und Amphetamin.

Seit Mitte Juni sitzt R. in Untersuchungshaft, sie soll unter anderem versucht haben, Einfluss auf Zeugen zu nehmen. Ein Antrag der Verteidigung, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen, scheitert am Dienstag. Es bestehe weiterhin Wiederholungsgefahr, zumal die Angeklagte ihre legale Einkommensquelle als Lehrerin verloren habe, sagt Richterin Bettina Matter. Es sei zu befürchten, dass sie zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts rückfällig werde.

Zuvor hatte Verteidiger Hans-Dieter Henkel noch ein feuriges Plädoyer für R. gehalten. Vom Bekanntwerden des Falls im Januar bis zu ihrer Verhaftung im Juni habe sie sich monatelang in Freiheit befunden, mit Psychotherapeuten und Drogensuchtberatern Kontakt aufgenommen - und sei dabei nie auffällig geworden, sagt er.

Das Hauptmotiv sieht Henkel in der langjährigen Drogensucht der Angeklagten. R. bereue ihre Handlungen und sei weitgehend geständig. Dass es sich bei einem ihrer Abnehmer um einen Jugendlichen gehandelt habe, habe sie offenbar nicht gewusst. Es habe sich jedenfalls nie um Schüler von ihr gehandelt - «um Gottes Willen», meint Henkel.

Kurz nach Verhandlungsbeginn wird der Prozess am Dienstag ausgesetzt. Zunächst soll ein Gutachter klären, ob die Angeklagte selbst drogenabhängig und dadurch ihre Schuldfähigkeit beeinträchtigt ist. Wenn der Prozess in mehreren Monaten weitergeht, werden noch einige Anklagepunkte dazu kommen. Denn gegen R. läuft derzeit noch ein zweites Verfahren - auch diesmal wegen Konsums und Handels mit Drogen im annähernd gleichen Zeitraum, wie Henkel sagt. Es soll dem aktuellen Prozess angegliedert werden.

Dass eine Lehrerin mit Drogen handelt, ist zwar selten, aber keineswegs ein Einzelfall. 2006 mussten sich eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen und ihr Mann vor Gericht verantworten, weil sie mit Drogen im ganz großen Stil gedealt hatten. 2004 wurde einer Lehrerin aus Baden-Württemberg der Prozess gemacht, die auf Partys in ihrer Wohnung Kokain und Marihuana an Minderjährige verteilt hatte.