Leichter Dämpfer für Verbraucherstimmung

Die Verunsicherung der Verbraucher über die Konjunkturaussichten in Deutschland hat dem Konsumklima im Spätsommer einen leichten Dämpfer versetzt. Für September zeichne sich erstmals seit Februar 2013 wieder eine leichte Abkühlung der Verbraucherstimmung ab, berichtete das Marktforschungsinstitut GfK.

Leichter Dämpfer für Verbraucherstimmung
Oliver Berg Leichter Dämpfer für Verbraucherstimmung

Von einer Trendwende oder dem Beginn einer Talfahrt könne aber nicht die Rede sein. Denn die Kauflust der Verbraucher sei weiterhin groß - so groß wie zuletzt am Jahresende 2006.

Die nach einem Zwei-Jahres-Hoch erstmals wieder gesunkene Einkommenserwartung hat nach GfK-Einschätzung mehrere Gründe. Neben dem schwindenden Konjunkturoptimismus spiele auch die Sorge vieler Verbraucher vor steigenden Preisen eine Rolle. Schließlich hätten vor allem höhere Nahrungsmittelpreise die Inflationsrate im Juni um 1,9 Prozent erhöht. «Offenbar befürchten die Verbraucher dadurch Belastungen ihrer Kaufkraft und schätzen ihre Einkommensaussichten etwas verhaltener ein», geben die Konsumforscher zu bedenken. Der entsprechende Index sank im August um 5,6 Punkte auf 37,2 Zähler.

Keinen Anlass zu Konjunkturpessimismus sieht derweil Wirtschaftswissenschaftler. So sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Deutschland weiterhin auf einem soliden Wachstumspfad. Im dritten Quartal, von Juli bis September, werde die Wirtschaftsleistung voraussichtlich um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal steigen, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten DIW-Konjunkturbarometer.

Der Aufwärtspfad wird auch durch die gute Stimmung in der Wirtschaft bestätigt, wie das Ifo Institut in seinem Konjunkturbarometer für August feststellte. Die Manager in den Chefetagen seien optimistisch, dass es mit der deutschen Wirtschaft weiter nach oben ginge, erklärten die Wirtschaftsforscher am Vortag.

Auch die Bundesregierung sieht kurz vor der Bundestagswahl die Konjunktur in guter Verfassung. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bekräftigte: «Das Wirtschaftswachstum in Deutschland gewinnt derzeit neuen Schwung.» Es werde immer stärker von der Binnennachfrage getragen, erklärte er zu dem am Mittwoch vom Kabinett beschlossenen Bericht zur finanziellen Lage des Bundes und zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Danach hält die Regierung an ihrer Konjunkturprognose fest: 2013 werde die deutsche Wirtschaft im Jahresschnitt um real 0,5 Prozent zulegen, 2014 um 1,6 Prozent. Im Verlauf dieses Jahres falle die Wachstumsdynamik mit 1,4 Prozent deutlich stärker aus: «Diese stärkere Dynamik dürfte auch im kommenden Jahr anhalten.» Dennoch blieben Unsicherheiten im außenwirtschaftlichen Umfeld hoch.

Die Verbraucher bleiben dennoch skeptisch und rechnen in den kommenden Monaten mit einer eher verhaltenen wirtschaftlichen Entwicklung. «Die Konsumenten gehen offenbar davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft zwar in einer Phase der Erholung befindet, die in den kommenden Monaten jedoch eher verhalten sein dürfte», betonen die Konsumforscher. Der entsprechende Indexwert verlor nach GfK-Angaben entsprechend 2,5 Punkte und liege nun bei 1,8 Punkten.

Von größeren Anschaffungen lassen sich die Verbraucher dennoch nicht abhalten. Im August kletterte die sogenannte Anschaffungsneigung mit einen Wert von 44,4 Punkten auf den höchsten Stand seit Dezember 2006. Offenbar sehen Verbraucher die von niedrigen Zinsen geprägte wirtschaftlichen Entwicklung für den richtigen Zeitpunkt für größere Anschaffungen. Auch die gestiegene Inflationsrate spiele eine Rolle. Infolgedessen werde der Konsumklimaindex im September bei 6,9 Punkten liegen - nach 7,0 Punkten im August.

Trotzdem rechnet auch GfK-Konsumforscher Bürkl bei der Konsumlust nicht mehr mit einer ähnlich steilen Aufwärtsentwicklung wie in den vergangenen Monaten. «Wir sind bei der Anschaffungsneigung der Verbraucher bereits auf einem sehr hohen Niveau. Da gibt es vielleicht noch ein bisschen Luft nach oben, aber große Sprünge sind da nicht mehr drin», sagte Bürkl in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Dass die sogenannte Anschaffungsneigung demnächst auf das Rekordniveau von 2006 steigen könnte, erwartet Bürkl nicht. Damals hatte die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung viele Haushalte dazu veranlasst, größere Anschaffungen vorzuziehen.