Leichtfüßig: Peymann inszeniert Bernhard

Als «Reißzahn am Arsch der Mächtigen» hat Claus Peymann sich seit jeher verstanden, als Erbe des politischen Theaters von Bertolt Brecht.

Leichtfüßig: Peymann inszeniert Bernhard
Monika Rittershaus Leichtfüßig: Peymann inszeniert Bernhard

Zum Ausklang seiner Karriere (2017 soll Schluss sein) beweist der Theaterpurist jetzt sein Händchen fürs leichte Fach. Am Berliner Ensemble, einst Brechts legendäres Theater am Schiffbauerdamm, stellt der 77-jährige Intendant am Samstagabend Thomas Bernhards Komödie «Die Macht der Gewohnheit» vor - ein vergnüglicher, witziger, aber nicht eben tiefschürfender Theaterabend.

DIE GESCHICHTE: Es geht um den despotischen Zirkusdirektor Caribaldi, der seit mehr als 20 Jahren darum kämpft, mit seinen mediokren Artisten Schuberts Forellenquintett aufzuführen. Karl-Ernst Herrmanns poetisches Bühnenbild macht die Hoffnungslosigkeit des Unterfangens vorn vornherein klar: Das schräge Quintett bewegt sich auf abschüssigem Grund, alles steht, hängt und geht schief. Wahre Kunst ist nicht möglich.

Peymanns Schauspieler demonstrieren das mit überbordender Spielfreude und einem genauen Gespür für Bernhards wuchtigen Sprachwitz. Umjubelt vor allem Hauptdarsteller Jürgen Holtz: Der 82-Jährige (!) macht aus dem tyrannischen Zirkuspatriarchen einen vielschichtigen, letztlich an den eigenen Ansprüchen zerbrechenden Menschen. Dennoch sind Beziehungen, gar Entwicklungen zwischen den Figuren nicht vorgesehen.

DIE HISTORIE: Der österreichische Schmerzensmann Thomas Bernhard (1931-1989) hatte sich 1974 für die Uraufführung seiner ersten Komödie ausdrücklich den Freund und Wegbegleiter Peymann als Regisseur gewünscht. Wegen eines Zerwürfnisses zwischen Peymann und den Salzburger Festspielen zwei Jahre zuvor («Notlicht»-Skandal) kam es dazu nicht. Gut 40 Jahre später holt der Regisseur den Wunsch jetzt posthum nach.

DAS FAZIT: «Wir wollen das Leben nicht, aber es muss gelebt werden», sagt Zirkusdirektor Caribaldi einmal. «Wir hassen das Forellenquintett, aber es muss gespielt werden.» Wer weiß, was den 2017 abtretenden Peymann zur Auswahl seiner letzten Stücke bewegt?

Nächste Aufführungen 21./28.3., 10./17./29.4.