Leipziger Buchmesse: «Für das Wort und die Freiheit»

Die Leipziger Buchmesse setzt ein Zeichen für Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Bei der feierlichen Eröffnung des viertägigen Literaturmarathons appellierte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch an Autoren und Verleger, sich einzumischen und auch persönlich Flagge zu zeigen.

Leipziger Buchmesse: «Für das Wort und die Freiheit»
Hendrik Schmidt Leipziger Buchmesse: «Für das Wort und die Freiheit»

«Wir brauchen ein Gegengewicht zu denen, die politisch fordern, ohne Lösungen anzubieten», sagte Vorsteher Heinrich Riethmüller, «die plakativer Propanda hinterherlaufen und dabei so viel lauter sind als die Nachdenklichen in der Gesellschaft.»

Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler wurde bei der Veranstaltung im Gewandhaus mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Der 77-Jährige mahnte eine «nachhaltige Asylpolitik» an. Sie müsse nicht nur die Grenzen der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit beachten, sondern auch den politischen Rückhalt in der Bevölkerung behalten.

Winkler erhielt die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung für sein vierbändiges Mammutwerk «Geschichte des Westens». «Die Kunst, präzise Analyse und anschauliche Erzählung zu verbinden, beherrscht Winkler wie kaum ein zweiter deutscher Historiker», sagte Laudator Volker Ullrich.

Auf jedem der 1900 Plätze im Gewandhaus lag ein Plakat zum Hochhalten mit der Mahnung «Für das Wort und die Freiheit». Riethmüller sagte: «Wir möchten damit zeigen, dass es uns nicht egal ist, wenn unsere Werte in Misskredit gezogen werden.» Die einzigartige Verlags- und Literaturlandschaft in Deutschland gehöre zu den Grundpfeilern der Demokratie.

Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, sagte vorab bei einer Pressekonferenz, der Verband sehe mit großer Sorge die Entwicklung der Meinungsfreiheit weltweit. Als Beispiel nannte er unter anderem die Türkei, wo Medien unter staatliche Aufsicht gestellt worden seien.

Die Wertegemeinschaft der EU dürfe darüber nicht hinwegsehen, «nur weil die Türkei ein Problem lösen soll, das eigentlich die Europäer selbst lösen müssten», sagte Skipis mit Blick auf den geplanten Flüchtlingspakt mit der Türkei.

Die Branche geht seinen Worten zufolge trotz eines leichten Umsatzrückgangs im vergangenen Jahr (minus 1,7 Prozent) mit Optimismus in den Bücherfrühling. Der Handel habe die Herausforderungen der Digitalisierung im vergangenen Jahrzehnt gemeistert, so Skipis. «Die Branche ist zukunftsfähiger denn je.»

Auf der Leipziger Buchmesse präsentieren sich bis zum Sonntag 2250 Aussteller (Vorjahr: 2263) aus 42 Ländern. Zusammen mit dem begleitenden Lesefestival «Leipzig liest» erwarten die Veranstalter wie im Vorjahr rund 250 000 Besucher.

Bei dem Themenschwerpunkt «Europa21» soll es vor allem um das künftige Zusammenleben mit Migranten und Asylsuchenden gehen. In verschiedenen Veranstaltungen sollen Autoren, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zu Wort kommen. «Wir im Messegeschäft brauchen eine offene Gesellschaft», sagte Direktor Oliver Zille.