Leitzins-Senkung heizt Dax an - 9200 Punkte in Sichtweite

Kursfeuerwerk nach schleppendem Auftakt: Die unerwartete Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Dax am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch getrieben.

Sieben Schwergewichte unter den 30 größten deutschen Konzernen im Dax hatten am Morgen Geschäftszahlen vorgelegt - als die EZB am frühen Nachmittag das historische Zinstief von 0,25 Prozent bekanntgab, schoss der Index binnen weniger Minuten um rund 100 Punkte steil nach oben. Zeitweise erreichte das Börsenbarometer ein neues Allzeit-Hoch von mehr als 9193 Zählern.

Die Notenbanker hatten zuvor - entgegen der Erwartung vieler Beobachter - angesichts der extrem niedrigen Inflation in der Eurozone abermals an der Zinsschraube gedreht. Der Euro reagierte ebenfalls deutlich und sackte gegenüber zahlreichen Währungen ab.

Am Nachmittag stand beim Dax noch ein Plus von 1,44 Prozent auf 9171 Punkte zu Buche. Auch andere Indizes reagierten auf die Aussicht einer anhaltenden Geldschwemme: Der MDax mittelgroßer Werte gewann 0,33 Prozent auf 16 270 Punkte und schraubte den Rekord auf über 16 283 Zähler. Der TecDax kletterte mit 0,92 Prozent ins Plus auf 1152 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,32 Prozent.

«Die EZB bleibt im Wettlauf der Währungen voll dabei und hat die Geldschleusen noch deutlicher geöffnet», sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. Auch aus den USA bekamen die deutschen Märkte am Nachmittag Rückenwind, denn die Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft nahm im dritten Quartal überraschend an Fahrt auf.

Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba zufolge passt die Wachstumsdynamik zum Szenario einer stetigen Konjunkturerholung. Die US-Notenbank Fed hatte ihren Leitzins Ende Oktober unverändert gelassen und vorerst auch keine Abstriche bei ihren milliardenschweren Anleihekäufen gemacht.

Die Teuerung im Euroraum war im Oktober auf 0,7 Prozent gesunken - den tiefsten Stand seit vier Jahren. Das hatte Forderungen nach noch billigerem Zentralbankgeld und einem Leitzins unter dem bisherigen Rekordtief von 0,5 Prozent neue Nahrung gegeben. Das billige Geld soll helfen, eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum zu verhindern.

Für Deutschland mit seiner relativ robusten Konjunktur gilt aber schon das bisherige Zinsniveau als zu niedrig. Und da Banken bereits extrem günstig an Geld kommen, es aber nicht an Firmen weiterreichen, ist umstritten, ob die erneute Zinssenkung in den Krisenländern positive Auswirkungen haben wird. Auch Großbritanniens Notenbank behält ihre lockere Geldpolitik bei: Die Bank of England lässt ihren Leitzins auf dem niedrigen Niveau von 0,5 Prozent.