«Lichtgrenze» ist das «Wort des Jahres 2014»

«Lichtgrenze» steht für einen magischen Moment in Berlin, deshalb hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) sie zum «Wort des Jahres 2014» gewählt.

Drei Tage im November zeichneten Tausende leuchtender Ballons den Verlauf der Mauer nach, dann schwebten sie in den Himmel davon. Die Wand aus Licht entschwand, so wie 25 Jahre zuvor am 9. November 1989 die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin zu verschwinden begann. Die Installation des Künstlers Christopher Bauder verzauberte Hunderttausende Zuschauer.

Doch als «Wort des Jahres» stieß «Lichtgrenze» nach Verkündung am Freitag auf Unverständnis. Vermutlich wuchs die Verwirrung mit der Entfernung zur Hauptstadt. Wer die «Lichtgrenze» nicht gesehen hatte, konnte die «großen Emotionen» beim Mauerfall-Jubiläum nicht nachvollziehen, von denen GfdS-Vorstand Armin Burkhardt in Wiesbaden schwärmte.

Es gehe doch nicht darum, das «Event des Jahres» zu wählen, kritisierte der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. «Als Wort, das ist nicht schwer vorherzusagen, wird Lichtgrenze exakt gar keinen Eindruck in der deutschen Sprache hinterlassen.»

Jedes Jahr versucht die GfdS mit ihrer Zehnerliste der «Wörter des Jahres» eine Art Chronik zu schreiben. 2014 war die Wahl schwer für die Jury aus Vorstand und Mitarbeitern der Gesellschaft: Themen wie die Ukraine-Krise, der Islamische Staat (IS), aber auch der deutsche Jubel über die gewonnene Fußball-Weltmeisterschaft sollten vorkommen.

Burkhardt und die GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels machten keinen Hehl daraus, dass sie gern den Fußball vorn gesehen hätten. Immerhin kamen «Götzseidank» als Verbeugung vor dem Siegtorschützen Mario Götze und «Freistoßspray» unter die ersten zehn. Doch das eine, umfassende Wort für die WM gab es wohl nicht. 2006 hatte «Fanmeile» alles zum Fußball-Sommermärchen in Deutschland gesagt.

Mit ihren «Wörtern des Jahres» hat die Sprachgesellschaft oft richtig, manchmal auch daneben gelegen. An der «Bundeskanzlerin» führte 2005 kein Weg vorbei. Auch «Wutbürger» 2010 war ein Treffer: Der Begriff war nicht komplett unbekannt, regte zu Diskussionen an und hat in Varianten wie «Mutbürger» weiter Karriere gemacht. «Rettungsroutine» sollte 2012 für den Überdruss an der Finanzkrise stehen. Das spröde Wort war und blieb ungebräuchlich.

Lichtkünstler Bauder hatte sich unter anderem von Nordlichtern inspirieren lassen für die Wortschöpfung «Lichtgrenze». «Die sehen manchmal auch aus wie eine gebaute Wand», sagte er der dpa. Er freute sich über die Anerkennung von unerwarteter Seite für sein Projekt: «Ich hoffe, dass das lange nachhallt.»

Vermutlich war das Mauerfall-Gedenken der kleinste gemeinsame Nenner in der Jury. Die «Lichtgrenze» geriet erst in der entscheidenden Sitzung in den Blick. Doch GfdS-Vorstand Burkhardt gab die Hoffnung nicht auf, dass der Begriff noch Karriere macht: «Vielleicht behalten sie es zumindest als schönes Wort und als besonders schönes Wort für uns Deutsche in Erinnerung!» Und die Physiker unter den Twitterern überlegten am Freitag, ob es tatsächlich eine Lichtgrenze gibt.