Liga als Therapie: Leverkusen trotzt allen Widerständen

Die Liga ist die beste Therapie für Bayer Leverkusen. Das peinliche Elfmeter-Aus im Achtelfinale der Champions League beantwortete die Werkself vom Rhein ebenso mit einem Sieg in der Fußball-Bundesliga wie das Scheitern im DFB-Pokal.

Liga als Therapie: Leverkusen trotzt allen Widerständen
Fredrik Von Erichsen Liga als Therapie: Leverkusen trotzt allen Widerständen

Beim FSV Mainz 05 setzte sich Bayer mit 3:2 (1:0) durch und steckte dabei auch den Eklat um Emir Spahic weg, dessen Prügelei mit Ordnern nach der Pokalpartie gegen Bayern München für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Dass man im Kreis der Teamkollegen kaum mit einer Rückkehr des Bosniers rechnet, verdeutlicht die Aussage von Kapitän Simon Rolfes: «Wir wünschen dem verletzten Ordner gute Besserung. Er gehört auch zu unserem Verein. Der Sieg ist auch für ihn.»

Der Schock bei Bayer sitzt tief, die Affäre dauert an, DFB und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen den Bosnier. Man habe einige intensive Gespräche geführt, berichtete Geschäftsführer Michael Schade in Mainz und kündigte für Montag eine Entscheidung des Clubs an. Sportchef Rudi Völler ließ erkennen, dass die Juristen am Zuge sind, um die rechtlichen Fragen zu klären.

Spahic steht bei Bayer noch bis Juni 2016 unter Vertrag. Die Fans hatten sich vor der Partie noch mit dem Bosnier solidarisiert. «Emir einer von uns» hieß es auf einem Banner. Doch alles andere als eine Trennung von dem 34-Jährigen wäre eine Überraschung. «Der Weg zurück in die Mannschaft ist sehr fragwürdig», sagte Trainer Roger Schmidt im ZDF-Sportstudio. Er hatte es verstanden, den Ausraster von Spahic und dessen Folgen aus den Köpfen der Spieler zu bekommen.

«Wir mussten das ausblenden. Das ist eine sehr traurige Geschichte, die so groß ist, dass sie den Verein insgesamt betrifft», meinte der Coach, der in Tin Jedvaj wohl schon einen Nachfolger für den Bosnier gefunden hat. Der Kroate ersetzte den verletzten Spahic (Syndesmose) ganz prächtig. «Dafür haben wir ihn geholt», sagte Schmidt.

In Mainz brachte die Führung durch Heung-Min Son (15. Minute) die Leverkusener früh auf den Weg zum sechsten Liga-Sieg in Serie. Vom Kräfteverschleiß nach den 120 Pokal-Minuten gegen die Bayern war nichts zu spüren. Nach dem Wechsel machten Stefan Kießling (60.) und Hakan Calhanoglu (73.) alles klar. Kießling traf zum 133. Mal im Oberhaus und überholte damit Bayer-Sportchef Völler (132). Zwei umstrittene Foulelfmeter schönten das Ergebnis für Mainz. Ja-Cheol Koo ließ (79./90.+1) traf jeweils sicher.

Die stabile Form bringt Leverkusen der Champions League immer näher. Der vierte Platz scheint vor den letzten sechs Spielen bei zehn Punkten Vorsprung auf Schalke 04 (41) sicher. Doch Bayer (51) will mehr und noch Mönchengladbach (53) überflügeln, um die direkte Qualifikation für die Königsklasse zu schaffen. Der Coach sieht im frühen Pressing die größte Stärke. «Wir tun dies so aggressiv, so gut und so konsequent, dass wir hinten gut absichern können.»

Nach dem 300. Ligaspiel der Mainzer sprach Trainer Martin Schmidt Klartext. «Wenn man das Resultat sieht, muss man sagen, das 2:3 schmeichelt. Wir kamen nicht an unser normales Leistungsvermögen ran und waren nicht so griffig. Das hat sicher auch mit Leverkusen zu tun», analysierte der Schweizer. «Das war das schlechteste Spiel unter meiner Ägide. Dass das mal kommt, war klar. Wir werden jetzt in die Aufarbeitung und in den Kampf um die Liga gehen», erklärte Schmidt. Mit 31 Punkten droht weiter Ungemach. Am nächsten Spieltag in Freiburg muss sich Mainz besser präsentieren.