Limbach für Rückgabe «entarteter Kunst» an Museen

Die frühere Bundesverfassungsgerichts-Präsidentin Jutta Limbach möchte die von den Nazis 1937 als «entartet» beschlagnahmten Kunstwerke an jene deutschen Museen zurückgeben lassen, denen sie genommen wurden. Das zugrundeliegende NS-Gesetz sei unwirksam, sagte Limbach der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstag).

Limbach für Rückgabe «entarteter Kunst» an Museen
Uli Deck Limbach für Rückgabe «entarteter Kunst» an Museen

Limbachs Vorschlag ist durchaus radikal. Würde er umgesetzt, könnte das einen großen Ringtausch unter den deutschen Museen und große Umwälzungen in der deutschen Museumslandschaft zur Folge haben. In den vergangenen Jahrzehnten von den Museen aufgebaute Sammlungen könnten auseinandergerissen werden.

Der Direktor des Sprengel Museums in Hannover, Reinhard Spieler, hält Limbachs Vorschlag noch aus einem anderen Grund für problematisch: «In Museen bewahren wir Erinnerung; die Verwerfungen der NS- Geschichte werden gerade an den Provenienzen sichtbar. Soll es wirklich ein Ziel sein, diese Geschichte unsichtbar zu machen?»

Der NS-Staat hatte Werke von Max Beckmann, George Grosz, Wassily Kandinsky, Paul Klee und vielen anderen zeitgenössischen Künstlern als «entartet» aus deutschen Museen verbannt und ins Ausland verkauft. Von dort wurden nach dem Krieg viele Bilder von deutschen Museen wieder gekauft. Außerdem hatten die Besatzungsmächte sichergestellte Bilder aus NS-Depots später an Museen verteilt.

In den 1950er und 1960er Jahren hätten sich viele Museumsleute bemüht, die verfemten Künstler durch Ankäufe zu rehabilitieren, sagte Museums-Chef Spieler. Auch dies sei ein historisches Verdienst von Museen, Kommunen, Bundesländern und Stiftungen. Darüber hinaus könne niemand ernsthaft fordern, einst beschlagnahmte Werke aus US-Museen oder gar israelischen Museen zurückzufordern. Aus Spielers Sicht sollten sich die betroffenen Museen untereinander verständigen und vielleicht über die Möglichkeit von Werktauschen nachdenken.

Limbach sagte im Interview: «Wenn «entartete Kunst» in dem Wissen gekauft worden ist, dass es sich um aus anderen Museen entwendete Bilder handelt, hätte ich keine Bedenken, das jetzt rückgängig zu machen. Für öffentliche Einrichtungen sollte es selbstverständlich sein, dass auch in diesem Fall eine Restitution stattzufinden hat.» Heutige private Besitzer könne man aber nicht ohne weiteres einbeziehen.

Limbach führt die nach ihr benannte Limbach-Kommission, die sich mit Raubkunst befasst, die die Nazis Juden geraubt hatten. Die Kommission soll Forderungen gegenüber deutschen Museen prüfen.