Limburger Bischof beim Papst: «Ermutigende Begegnung»

Schicksalsstunden in Rom: Papst Franziskus hat den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu einer mit Spannung erwarteten Audienz empfangen. Einzelheiten des etwa 20-minütigen Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt.

Der katholische Oberhirte hatte gut eine Woche in Rom auf das Treffen mit dem Papst zur Situation in Limburg gewartet. Er steht wegen der enormen Kosten für seine neue Bischofsresidenz massiv in der Kritik. Offen blieb vorerst eine Entscheidung über die Zukunft des Bischofs, denn Fälle von Amtsverzicht oder Ernennungen führte das Vatikan-Bulletin am Montag nicht auf.

Das Bistum hielt sich bedeckt über den Inhalt des Gesprächs. Der Bischof sei «dankbar für die sehr ermutigende Begegnung», teilte die Diözese knapp mit. Über Details sei mit dem Papst Vertraulichkeit vereinbart worden.

Vor dem Limburger Bischof hatte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner eine Privataudienz bei Franziskus. Dieses Treffen in Rom war bereits vor Monaten vereinbart worden. Limburg gehört zur Kirchenprovinz Köln. Meisner (79) galt bisher als Unterstützer des angeschlagenen Bischofs, dürfte mit dem Papst jedoch vor allem auch sein im September eingereichtes Rücktrittsgesuch erörtert haben.

«Eine Rückkehr in das Bistum Limburg wird sicher ganz schwierig», sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode nach der Audienz in Rom wartenden Journalisten. «Es ist natürlich inzwischen die ganze Situation so verfahren, dass etwas geschehen muss.» Es gebe «bis in den Grund» wieder eine Vertrauenskrise, so Bode. Er sehe nicht, wie der Bischof seinen Dienst dort vernünftig ausüben können sollte.

Die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich nicht zu der Audienz in Rom äußern. Ihr Vorsitzender Robert Zollitsch hatte mit dem Papst am vergangenen Donnerstag über die Limburger Affäre gesprochen. Er hofft wegen der negativen Folgen für die Kirche auf eine baldige Lösung.

Im Bistum Limburg gab es zunächst zurückhaltende Reaktionen. Domdekan Günther Geis erklärte, vor einer Stellungnahme wolle er abwarten, welche Nachrichten aus Rom kommen. Er verwies zudem auf ein Gespräch mit der Kirchenzeitung des Bistums. Darin hatte er vergangene Woche gesagt: «Das Vertrauen in Bischof Tebartz-van Elst ist dahin, und ich sehe nicht, wie neues Vertrauen wachsen kann.»

Die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, sagte: «Zurzeit bleibt abzuwarten, wie die Entscheidung des Papstes aussieht und was bei der Prüfung der Kommission der Bischofskonferenz herauskommt. Für die Zukunft erhoffe ich mir mehr Transparenz auf den Wegen, die zu Entscheidungen führen.» Die Kommission nimmt derzeit die Kosten für den mehr als 31 Millionen Euro teuren Bischofssitz unter die Lupe.

Am Sonntag hatte Albert Schmid, Chef des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg «eher unwahrscheinlich» genannt. Schmid, ein Vertrauter von Tebartz-van Elst, nahm den Kirchenmann in der ARD-Sendung «Günter Jauch» gegen den Vorwurf der Verschwendung beim Neubau seiner Bischofsresidenz in Schutz. Der Streit über den Bau werfe die Frage auf, ob der Bischof «Opfer der innerdiözesanen Auseinandersetzungen im Bistum Limburg» sei. Schmid rechnet nicht mit einer schnellen Entscheidung: «Der Papst wird kein Schnellrichter sein», sagte er.

Der seit langem wegen seiner Amtsführung und seines teuren Bischofssitzes kritisierte Tebartz-van Elst steht mittlerweile massiv unter Druck: Die Baukosten für die Residenz belaufen sich inzwischen auf mehr als 31 Millionen Euro, zudem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien beantragt. Noch nicht entschieden ist, ob die Staatsanwaltschaft Limburg ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue einleiten wird.

«Bild.de» berichtete, die Dezernatsleiter der Diözese hätten dem Bischof einen Brief mit einer Rücktritts-Aufforderung geschrieben. Ein Bistums-Sprecher erklärte, nach seinen Informationen gebe es kein solches Schreiben.

Laut «Spiegel Online» schafft die Krise mittlerweile auch Probleme im Bistums-Alltag: Ein Gesangbuch etwa müsse bald gedruckt werden, doch das Vorwort des Bischofs fehle. Zudem fehlten Unterschriften für den Amtsantritt mehrerer Pfarrer, sämtliche Pfarrbesetzungen hingen in der Warteschleife.