Linke siegt in Griechenland - Tsipras mobilisiert die Massen

Die griechische Linke jubelt und feiert. Erstmals in der Geschichte des Landes hat sie eine Parlamentswahl gewonnen. In Athen wird künftig das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) von Alexis Tsipras das Sagen haben.

Keine leichte Aufgabe in dem hoch verschuldeten Krisenstaat. Denn ohne eine neue Vereinbarung mit den Geldgebern droht dem Land schon im März die Zahlungsunfähigkeit. Tausende begeisterte Menschen strömen schon nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen in der Wahlnacht auf die Straßen Athens. Sie schwenken Fahnen und skandieren: «Endlich ist die Linke dran.» Auch Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos (Wir können) feiern lautstark mit. Zahlreiche Autokorsos ziehen durch die Hauptstadt. Auch in anderen Teilen Griechenlands gibt es spontane Feiern.

Währenddessen entwickelt sich die Auszählung der Stimmen zum Thriller. Für Syriza liegt die absolute Mehrheit von 151 Abgeordneten im Parlament am Abend mit 300 Sitzen in greifbarer Nähe.

Klar ist jedoch: Griechenland ist politisch gespalten wie selten zuvor. Die rechtsradikale Goldene Morgenröte ist Hochrechnungen zufolge mit 6,4 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft geworden. Den Wahlkampf hatte deren Parteiführung aus dem Gefängnis heraus geführt. Zahlreiche Funktionäre sitzen wegen Bildung einer kriminellen Organisation in Untersuchungshaft. Doch auch die neu gegründete proeuropäische Partei der politischen Mitte, To Potami (Der Fluss), schneidet mit etwa 5,8 Prozent gut ab, bleibt aber auf Platz vier. Auch Kommunisten, Sozialisten und Rechtspopulisten schaffen den Sprung ins Parlament. In ersten Analysen heißt es, viele Griechen hätten die Lasten der in Friedenszeiten beispiellosen Sparmaßnahmen einfach nicht mehr ertragen können. Hoffnung machte da das Linksbündnis, das ein Ende der drastischen Einschnitte versprach. In den vergangenen fünf Jahren mussten die Menschen in Griechenland im Durchschnitt Einkommenseinbußen von 30 Prozent verkraften.

Als Signal für ganz Europa bezeichnet ein Syriza-Sprecher das Ergebnis. Die frühere sozialistische Außenminister Theodoros Pangalos sagt dem Fernsehsender Mega, bisherige Wähler der Sozialisten seien in Scharen zu Syriza abgewandert. Die frühere Volkspartei «Pasok» steht damit vor dem Niedergang.

Für Tsipras beginnt nun der Ernst des politischen Lebens. Der 40-Jährige hatte den Menschen im Wahlkampf viel versprochen: Niedrigrenten sollen angehoben werden, und eine Krankenversicherung für alle soll es geben. Zudem will er ein Ende der Privatisierungen. Vor allem aber kündigte er an, mit den internationalen Geldgebern eine Lösung für den gewaltigen Schuldenberg des Landes aushandeln zu wollen. Mit diesen Forderungen dürfte Tsipras im Ausland auf wenig Verständnis stoßen.

Unabhängig davon braucht Griechenland jedoch so schnell wie möglich eine handlungsfähige Regierung. Denn dem Staat läuft die Zeit davon. Bis Ende Februar muss eine neue Vereinbarung mit den internationalen Geldgebern ausgehandelt werden, denn dann laufen die Hilfszahlungen aus. Ohne weitere Kredite wäre das Land wohl schon bald zahlungsunfähig. Tsipras könnte in den kommenden Wochen vom strahlenden Wahlsieger zum großen Verlierer werden.