Lisicki und Kerber raus - Kohlschreiber stark

Die deutschen Tennis-Damen haben zum Auftakt der Australian Open zwei herbe Enttäuschungen erlebt. Nach Sabine Lisicki schied auch die an Nummer neun gesetzte Angelique Kerber in Melbourne völlig überraschend schon in der ersten Runde aus.

Lisicki und Kerber raus - Kohlschreiber stark
Lukas Coch Lisicki und Kerber raus - Kohlschreiber stark

Einen Tag nach ihrem 27. Geburtstag verlor die deutsche Nummer eins aus Kiel gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu mit 4:6, 6:0, 1:6. Erstmals seit Wimbledon 2011 scheiterte die Linkshänderin damit wieder zum Auftakt eines Grand-Slam-Turniers.

Philipp Kohlschreiber erreichte als erster von acht deutschen Tennis-Herren im Hauptfeld die zweite Runde der Australian Open. Der 31 Jahre alte Augsburger kam gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu zu einem souveränen 6:2, 6:2, 6:1. Nun trifft der an Nummer 22 gesetzte Kohlschreiber auf Bernard Tomic. Der Australier gewann gegen Davis-Cup-Spieler Tobias Kamke aus Lübeck 7:5, 6:7 (1:7), 6:3, 6:2. Vor Kamke war in der Herren-Konkurrenz bereits Dustin Brown ausgeschieden. Der 30-Jährige aus Winsen/Aller verlor gegen den an Nummer zehn gesetzten Bulgaren Grigor Dimitrow 2:6, 3:6, 2:6.

«Es war nicht mein Tag. Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich habe überhaupt nicht mein Tennis gespielt», sagte Kerber nach der Niederlage in der Margaret-Court-Arena. Dass sie am Ende der Partie mit leichten Rückenschmerzen zu kämpfen hatte, wollte sie nicht als Entschuldigung geltenlassen. «Es war einer meiner schlechtesten Tage», sagte sie.

Julia Görges aus Bad Oldesloe dagegen kam durch ein 6:2, 6:1 gegen die Schweizerin Belinda Bencic weiter. Zuvor hatte sich Lisicki der Französin Kristina Mladenovic mit 6:4, 4:6, 2:6 geschlagen geben müssen. «Natürlich ist es sehr enttäuschend. Man arbeitet die ganze Offseason, und dann klappt es nicht», sagte Lisicki, die neuerdings mit ihrem früheren Mixed-Partner Christopher Kas als Trainer arbeitet. Doch auch die Anwesenheit des ehemaligen Doppelspezialisten und ihres Lebensgefährten Oliver Pocher auf der Tribüne halfen nicht.

Nach 2:06 Stunden musste sich die an Nummer 28 gesetzte Berlinerin der Weltranglisten-71. geschlagen geben. «Morgen wird wieder trainiert und an den Dingen gearbeitet», sagte die Wimbledon-Finalistin von 2013 etwas trotzig - und wollte partout keine Inhalte zur Zusammenarbeit mit Kas verraten. «Es steht eine Vereinbarung, aber über Verträge spricht man nicht», sagte Lisicki, die in den vergangenen Jahren schon mehrmals den Coach wechselte.

Görges dagegen war nach ihrem starken 65-minütigen Auftritt hochzufrieden. «So ein Sieg tut immer gut, speziell in zwei Sätzen. Das war sehr, sehr solide», sagte die 26-Jährige aus Bad Oldesloe. In der zweiten Runde trifft sie nun auf die Tschechin Klara Koukalova.

Vom ersten Ballwechsel an setzte die ehemalige Nummer 15 der Welt ihre 17 Jahre alte Gegnerin Bencic unter Druck. Die Weltranglisten-34. hatte noch im vergangenen Jahr mit dem Viertelfinal-Einzug bei den US Open für Furore gesorgt und galt als Favoritin gegen Görges.

«Ich habe versucht, ihr mein Spiel aufzuzwingen», sagte die Norddeutsche. Nach zahlreichen Verletzungsrückschlägen steht Görges nur noch auf Platz 73 der Branchenwertung, hat sich aber die Rückkehr in die Top 20 zum Ziel gesetzt. «Ich bin froh, so ein Match gespielt zu haben. Es hat gut getan, weil man weiß, wofür man es macht», sagte Görges und genoss sichtlich den Applaus im zweitgrößten Stadion.

Vor Lisicki schied auch die Qualifikantin Tatjana Mariaaus. Die 27-Jährige aus Bad Saulgau musste sich der Chinesin Peng Shuai mit 4:6, 5:7 geschlagen geben.

Eine große Überraschung erlebten die Zuschauer im zweiten Match in der Rod-Laver-Arena. Dort scheiterte die frühere Weltranglisten-Erste und ehemalige French-Open-Siegerin Ana Ivanovic bereits in der ersten Runde. Die an Nummer fünf gesetzte Serbin unterlag der Tschechin Lucie Hradecka nach 1:26 Stunden mit 6:1, 3:6, 2:6. Die Nummer 142 der Welt war durch die Qualifikation in das Hauptfeld eingezogen. Die an Nummer drei gesetzte Rumänin Simona Halep dagegen erreichte durch ein 6:3, 6:2 gegen Karin Knapp aus Italien die nächste Runde.

Die Mitfavoriten Rafael Nadal und Andy Murray meisterten ihre Erstrunden-Aufgaben locker. Nadal gewann in Melbourne gegen den russischen Tennisprofi Michail Juschni 6:3, 6:2. 6:2. Der 28 Jahre alte Spanier ist beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres an Nummer drei gesetzt, sucht nach seiner Verletzungspause am Ende der vergangenen Saison aber noch nach seiner Top-Form. Gegen Juschni zeigte der Australian-Open-Sieger von 2009 eine souveräne Leistung und gewann in 1:50 Stunden.

Auch der an Position sechs eingestufte Murray kam zu einem glatten Erfolg. Der 27 Jahre alte Schotte setzte sich gegen den indischen Qualifikanten Yuki Bhambri mit 6:3, 6:4, 7:6 (7:3) durch.

Bei den Australian Open waren nach den jüngsten Terroranschlägen in Paris und Sydney die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Vor den Eingängen bildeten sich am ersten Turniertag lange Schlangen, die Taschenkontrollen fielen deutlich gründlicher aus als in der Vergangenheit. «Es ist eine sehr sichere Veranstaltung», sagte Turnierdirektor Craig Tiley der «Herald Sun» und betonte: «Wir haben das in der Vergangenheit bewiesen und werden es auch weiter beweisen. Die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Fans haben Priorität.»