Lisicki vor Fed-Cup-Finale: «Ich bin jederzeit bereit»

An diesem Wochenende kämpfen die deutschen Tennis-Damen in Prag um den ersten Titel im Fed Cup seit 22 Jahren. Die letztjährige Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki feiert ihr Comeback im deutschen Team.

Lisicki vor Fed-Cup-Finale: «Ich bin jederzeit bereit»
Bernd Weissbrod Lisicki vor Fed-Cup-Finale: «Ich bin jederzeit bereit»

Im Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht die 25 Jahre alte Berlinerin über ihre Rolle als Nummer drei und sieht ihre Mannschaft auf Augenhöhe mit Titelverteidiger Tschechien.

Hat sich Steffi Graf schon gemeldet und viel Glück gewünscht?

Ich weiß, dass sie mit Barbara (Rittner) in Kontakt steht und sich viel mit ihr austauscht. Sie nimmt großen Anteil an unseren Auftritten und drückt ganz sicher die Daumen.

Sie haben ein Jahr mit reichlich Höhen und Tiefen hinter sich. Zuletzt klagten einige Spielerinnen über Probleme. Wie geht es Ihnen?

Mir geht es sehr gut. Ich fühle mich topfit und freue mich, in dieser Woche wieder beim Fed Cup dabei zu sein.

Bei den Siegen in der Slowakei und in Australien zählten Sie nicht zum Team. Nun hat Bundestrainerin Barbara Rittner Sie wieder nominiert. Fühlen Sie sich willkommen und gut aufgenommen im Team?

Absolut. Für mich ist es wie eine ganz normale Rückkehr. Wir haben ja schon so oft in den unterschiedlichsten Konstellationen im Fed Cup zusammen gespielt.

Es gab im Vorfeld ja aber auch vereinzelt die Meinung, Sie könnten die Harmonie in der Mannschaft gefährden oder würden nicht in die Mannschaft passen.

Unser Verhältnis im Team ist super. Wir haben uns am Sonntag getroffen und bei einem Fotoshooting eine Menge Spaß gehabt. Da wurde zwischendurch viel gelacht. Abends waren wir nach unserer Ankunft in Prag zusammen essen, auch die ersten Trainingseinheiten am Montag liefen richtig gut. Jeder freut sich auf dieses Finale und gibt sein Bestes. Alles gut also.

Alles deutet darauf hin, dass Angelique Kerber und Andrea Petkovic die Einzel spielen werden. Wie empfinden Sie persönlich Ihre Rolle als «gute Alternative»?

Wir sind zu fünft hier (Kerber, Petkovic, Julia Görges, Lisicki und Anna-Lena Grönefeld) und haben als gesamtes Team das Ziel, uns am Wochenende gut zu präsentieren. Wer wann wie in welcher Konstellation spielt, wird man sehen. Das entscheidet Barbara.

Aber Sie wollen ihr doch sicher die Entscheidung so schwer wie möglich machen und sich auch als Option fürs Einzel empfehlen.

Ich werde voll trainieren und bin jederzeit bereit. Barbara wird das bestmögliche Team aufstellen. Und dann wird auch jede hinter der Entscheidung stehen.

Die anderen Spielerinnen betonen immer wieder, welche Bedeutung der Fed Cup für sie hat und welchen Stellenwert ein Titel in dem Mannschaftswettbewerb hätte. Wo rangiert der Fed Cup für Sie?

Es ist eine tolle Abwechslung. Wir spielen das ganze Jahr über für uns allein. Von daher freut man sich, als Team aufzulaufen. Es ist schon etwas ganz Tolles. Jede von uns will diesen Titel holen.

Angelique Kerber sagte neulich in einem Interview, die Halbfinals bei den Grand Slams und ihre Turniersiege bedeuteten ihr viel, aber ein Fed-Cup-Titel «wäre der Wahnsinn».

Auch für mich wäre das der Wahnsinn. Dieses Finale zählt mit Sicherheit zu den Höhepunkten meiner Karriere und ich freue mich riesig, hier in Prag dabei zu sein.

Die Prognosen vor dem Finale am Samstag und Sonntag sind sehr unterschiedlich. Von 50:50 bis zu 20:80 aus deutscher Sicht ist alles dabei. In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Sie als Außenseiter. Wie schätzen Sie persönlich die Chancen ein?

Auf eine Prozentzahl will ich mich nicht festlegen. Letzten Endes kommt es auch auf die Tagesform an. Es ist wichtig, dass wir uns unter der Woche gut vorbereiten und gut trainieren. Alle sind heiß auf dieses Finale. Es wird bestimmt eine großartige Atmosphäre. Der Heimvorteil spricht für die Tschechinnen, aber ich hoffe, dass auch der deutsche Fanblock richtig Krach machen wird. Sobald man auf den Platz geht, ist eigentlich jedes Spiel offen.

Die Berlinerin Sabine Lisicki ist als Weltranglisten-27. aktuell drittbeste deutsche Tennisspielerin hinter Angelique Kerber (Kiel/10.) und Andrea Petkovic (Darmstadt/14.). Im vergangenen Jahr sorgte die Aufschlag-Weltrekordlerin mit ihrem Final-Einzug in Wimbledon für Furore. Im Fed Cup zählte sie in diesem Jahr bei den Siegen in der Slowakei und Australien nicht zum Team, wurde jetzt aber von Bundestrainerin Barbara Rittner wieder nominiert.