Lisicki zurück in Wimbledon - Kohlschreiber schon raus

Wimbledon hat für Sabine Lisicki eine magische Kraft. Kaum ist sie auf den Rasenplätzen ihres größten Erfolgs zurück, ist ihr Lächeln trotz ihrer lang anhaltenden Formkrise wieder da.

Lisicki zurück in Wimbledon - Kohlschreiber schon raus
Hannah Mckay Lisicki zurück in Wimbledon - Kohlschreiber schon raus

«Es hilft, an einen Ort zurückzukehren, an dem man Vertrauen spürt und viel Unterstützung hat», sagte die Berlinerin nach ihrem 6:1, 6:3 gegen die Amerikanerin Shelby Rogers. Unerwartet mühelos zog die 26-Jährige nach schwierigen Monaten beim bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt in die zweite Runde ein.

Am Mittwoch dürfte Lisicki gegen die frühere US-Open-Siegerin Samantha Stosur allerdings vor einer größeren Herausforderung stehen. Gegen die Australierin gewann die Rasenspezialistin auch auf ihrem wundersamen Weg bis ins Wimbledon-Finale 2013. «Ich erinnere mich, dass sie sehr gut gespielt hat», sagte Lisicki. Zwei von sieben Partien verlor sie gegen die Weltranglisten-16., mit der sie vor fünf Jahren gemeinsam im Südwesten Londons im Doppel-Endspiel stand.

Anders als Lisicki sowie Carina Witthöft und Anna-Lena Friedsam muss sich Philipp Kohlschreiber von der besonderen Atmosphäre auf der altehrwürdigen Anlage an der Church Road schon wieder verabschieden. Der beste deutsche Tennisprofi unterlag am Eröffnungstag dem Franzosen Pierre-Hugues Herbert 5:7, 3:6, 6:3, 3:6. Wie schon bei den Australian Open zum Saisonbeginn und bei den French Open scheiterte der beste deutsche Herren-Profi auch auf Rasen an der Auftakthürde.

In Paris konnte Lisicki nach ihrem Erstrunden-Aus ihre Tränen nicht zurückhalten, nun strahlte sie wieder über das ganze Gesicht. Für zwei Wochen hatte sie sich mit ihrem neuen Trainer, dem Spanier Salvador Navarro, zurückgezogen. Es sollte ein Neuanfang sein. «Für mich war es wichtig, mich komplett rauszuziehen. Ich habe Zeit für mich gebraucht, das Telefon ausgeschaltet», sagte die 26-Jährige, die zuletzt auch durch private Schlagzeilen und die Trennung von Entertainer Oliver Pocher für Aufsehen gesorgt hatte.

Bei keinem anderen Turnier auf der Tennis-Tour spielt die auf Position 81 abgerutschte Lisicki so gut und so gerne wie auf den Rasenplätzen in Wimbledon. Drei Jahre ist es her, dass die Berlinerin dank ihres Finaleinzugs in Wimbledon in aller Munde war. Auf einmal sprach ganz Deutschland wieder vom Tennis. Auch wenn Lisicki damals die große Chance verpasste, sich zur Grand-Slam-Siegerin zu krönen und im Finale gegen die Französin Marion Bartoli klar verlor.

Von solchen Erfolgen ist sie nun lange weit entfernt. Ihr Formtief hält seit Monaten an. In der Weltrangliste wurde die einstige Nummer zwölf durchgereicht, nicht einmal unter der ersten 80 ist sie derzeit zu finden. Wimbledon könnte ihr nun zu einem Schritt nach vorn verhelfen. «Ich dachte ehrlich gesagt, dass es zu früh kommen wird», sagte Lisicki. «Für wie viel es reicht, weiß ich nicht.» Die Partie gegen die French-Open-Viertelfinalistin Rogers war wenig hochklassig.

Für einen Glanzpunkt aus deutscher Sicht sorgte die 21-jährige Witthöft. Mit 6:1, 6:4 gewann die Hamburgerin gegen Irina-Camelia Begu aus Rumänien, die an Nummer 25 gesetzt ist. Die Andernacherin Friedsam behauptete sich gegen die Kasachin Sarina Dijas 6:4, 6:0.

Kohlschreiber hatte dagegen als Favorit gegen Herbert bei seiner Vier-Satz-Niederlage keinen Spaß. Wegen einer Zerrung an der linken Hüfte musste der beste deutsche Tennisprofi noch in der Woche vor Wimbledon mit dem Training aussetzen. «Ich bin momentan schmerzfrei. Aber sicherlich steckt das noch im Kopf», sagte der Augsburger und haderte: «Auf Rasen klappt es oder klappt es nicht, heute war ein Tag, an dem es nicht geklappt hat.»