Ölmarkt-Krise: USA profitieren, Russland verliert

Die USA könnten laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) als Sieger aus der derzeitigen Krise am Ölmarkt hervorgehen. Russland und die arabischen Länder leiden demnach unter dem Preisverfall.

Mit der Gewinnung von Öl aus Schiefergestein könnten die USA deutlich flexibler auf Marktbewegungen reagieren als andere Länder, hieß es. «Wir hatten bisher mit Saudi-Arabien ein Produktionsland, das in der Lage war, Marktumschwünge zu bewerkstelligen. Jetzt haben wir mindestens zwei», sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven. Sie stellte in London eine mittelfristige Marktprognose bis 2020 vor.

Die Agentur berät vor allem Industriestaaten wie Deutschland und die USA in Energiefragen. Ihre Aussagen beeinflussten auch die Weltmarktpreise für Öl und beendeten den Aufwärtstrend der vorigen Tage. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 57,54 Dollar - 80 Cent weniger als am Montag.

Russland wird nach Einschätzung der IEA der große Verlierer des derzeitigen Ölpreisverfalls sein. Der Preis für Rohöl hatte sich seit Juni 2014 von mehr als 110 Dollar pro Barrel (je 159 Liter) auf um die 50 Dollar mehr als halbiert. «Russland sieht sich einem absoluten Sturm von niedrigen Preisen, Sanktionen und Währungsschwankungen ausgesetzt», sagte van der Hoeven. Der russische Rohöl-Tagesausstoß werde bis 2020 um 560 000 Barrel sinken, prognostizierte die IEA.

Die Weigerung von Opec-Ländern wie Saudi-Arabien, ihre Fördermenge trotz der geringer als erwartet ausgefallen Nachfrage und deshalb gesunkenen Preise zu drosseln, führe zunächst zu einem Rückgang der Investitionen beim Schieferöl. Dies werde aber nicht das Ende der Förderung sein. Sie könne bei steigenden Preisen hochgefahren werden.

Das Ölkartell sei dagegen vor allem auf den Irak angewiesen und von unwägbaren politischen Faktoren abhängig. Jedoch sei die Förderung im Irak trotz der gegenwärtig unsicheren Lage auf einem Allzeithoch.

Insgesamt werde die Nachfrage nach Rohöl längst nicht so stark wachsen wie noch vor Jahren prognostiziert wurde, heißt es in dem Bericht weiter. Bis 2020 geht die IEA von einem jährlichen Anstieg um 1,2 Prozent aus. Dies liege vor allem an einer schwächeren Erholung der Weltwirtschaft und niedrigen langfristigen Wachstumsaussichten für den größten Teil der Welt.