Löw-Team will Revanche: «Brauchen Punkte»

Joachim Löws Auftrag an die Weltmeister ist klar, auch wenn die Vorbereitung schon wieder kompliziert ist. «Wir müssen voll angreifen. Wir brauchen Punkte», sagte Kapitän Bastian Schweinsteiger, der erstmals als England-Legionär die Nationalelf anführt.

Die Partien in der EM-Qualifikation am Freitag (20.45 Uhr) gegen Polen und drei Tage später in Glasgow gegen Schottland sieht der 31-Jährige als «zwei Herausforderungen», zumal das DFB-Team gleich beim Trainingsstart nicht vollzählig war.

Vor allem der am Knie verletzte Mesut Özil macht weiter Sorgen. «Wir werden es mit aller Macht angehen, so dass wir uns revanchieren können für die Niederlage in Polen», betonte Schweinsteiger.

Der nach 17 Jahren von seinem geliebten FC Bayern zu Manchester United gewechselte Mittelfeld-Antreiber hatte die 0:2-Pleite der deutschen Elf im Oktober 2014 in Warschau verletzt am Fernsehen erlebt. «Eine sehr schwierige Aufgabe, aber wir müssen», sagte Schweinsteiger nun. «Wir müssen sehen, dass wir zwei gute Halbzeiten spielen, gut in der Defensive arbeiten, mit unseren Qualitäten Chancen erspielen und Tore erzielen», erläuterte der 111-malige Nationalspieler den Verbesserungs-Bedarf.

«Es ist völlig klar, dass es keine Selbstläufer werden. Polen und Schottland haben berechtigte Hoffnungen, bei der EM im kommenden Jahr in Frankreich teilzunehmen», warnte DFB-Chefcoach Löw. Polen (14 Punkte) führt die Gruppe D vor Weltmeister Deutschland (13) und Schottland (11) an. «Wir sind auf beide Mannschaften vorbereitet und eingestellt. Wir haben gute Lösungen für die beiden Spiele», versprach jedoch der Bundestrainer.

Auch ein möglicher Ausfall von Spielmacher Özil soll die sportliche Revanche gegen Polen nicht gefährden. Wegen einer leichten Reizung der Patellasehne konnte der Weltmeister am Dienstag nicht trainieren, berichtete Assistenz-Coach Thomas Schneider. Am Mittwoch könnte der Profi des FC Arsenal nur eine separate Übungseinheit mit einem Athletiktrainer bestreiten. «Dann gucken wir, wie es zum Spiel ausschaut. Es gibt keine Prognose», sagte Schneider.

Auch für Schweinsteiger und die vier von Löw eingeladenen Dortmunder Spieler gab es nach den Belastungen in ihren Liga-Spielen am vergangenen Sonntag zunächst ein Sonderprogramm. Sie sollen erst am Mittwoch voll ins Teamtraining einsteigen. «Wir wollen die Jungs gegen Polen frisch auf dem Platz haben», begründete Schneider die «Belastungs-Dosierung».

Löw stehen damit nur zwei Tage für Übungseinheiten mit dem gesamten Kader zur Verfügung. «Wir müssen sehr gut und effektiv arbeiten, den Spielern maximalen Input vermitteln auch über Video-Coaching», betonte Co-Trainer Schneider. Zunächst stand nach «wahnsinnig vielen und langen Marketing-Aktivitäten» (Schneider) nur beschränkte Gruppen-Arbeit auf dem Programm. «Wir wollen die beiden Spiele unbedingt gewinnen, dafür müssen wir gegen beide Mannschaften viel investieren. Wir sind aber selbstbewusst, wir haben die Qualität, um beide Mannschaften zu schlagen», sagte Löw.

48 500 in der ausverkauften Frankfurter Arena und Millionen an den TV-Geräten sind gespannt, ob die Nationalelf tatsächlich nach einem endlich längeren Urlaub für Thomas Müller und Co. sowie einer kompletten Vorbereitung wieder dominanter und effektiver auftreten wird als in der Vorsaison. Da wurde nicht nur die Partie in Polen verloren, sondern auch die gegen Argentinien und die USA. Dazu kamen Unentschieden gegen Irland in der Qualifikation und im Test gegen Australien.

«Wir sind sehr heiß auf diese Spiele», sagte Torhüter Manuel Neuer. Den Münchner reizen Spiele gegen starke Gegner, die mitspielen wollen und nicht nur mauern, mehr als die vermeintlichen Pflichtaufgaben. «Da kommen zwei Mannschaften auf uns zu, die auch sehr gut Fußball spielen können. Ich hoffe, dass uns das mehr liegt als Mannschaften wie Georgien, die mehr in der Defensive stehen», sagte die Nummer eins, der natürlich die EM-Endrunde im Sommer 2016 in Frankreich als nächstes großes Highlight eingeplant hat.

Auch Kapitän Schweinsteiger will dann noch einmal eine ähnliche Sternstunde wie 2014 in Rio de Janeiro erleben, als er im gewonnenen Finale gegen Argentinien das Spiel seines Lebens machte. «Das Nationaltrikot zu tragen ist ein super Gefühl», sagte der Manchester-Neuzugang auch vor seinem 112. Länderspiel. Nicht mehr jedes Testspiel müsse der Neu-Engländer bestreiten, bemerkte Löw: «Ich brauche ihn dann, wenn es für uns wichtig ist.» Wie gegen Polen.