Löw testet «Option» Gomez - «EM wäre eine geile Sache»

Eine aktuelle Torempfehlung hatte Mario Gomez bei seiner Rückkehr in den Kreis der Fußball-Nationalmannschaft nicht im Gepäck. Beim 1:0-Sieg mit Besiktas Istanbul am Sonntagabend gegen Bursaspor war der inzwischen 30 Jahre alte Torjäger in der türkischen Süper Lig leer ausgegangen.

Löw testet «Option» Gomez - «EM wäre eine geile Sache»
Marcus Brandt Löw testet «Option» Gomez - «EM wäre eine geile Sache»

Aber als achtfacher Saisontorschütze, Nummer zwei hinter Kameruns Altstar Samuel Eto'o von Antalyaspor (9 Treffer) und Tabellenführer konnte Gomez dennoch am Montag voller Vorfreude und Selbstvertrauen in seine Wahlheimat München reisen. «Ich bin wieder auf dem richtigen Weg», kündigte Gomez vor seinem Länderspiel-Comeback im «Kicker» an.

Den Weg, den der 60-malige Nationalspieler am Bosporus nach dem Wechsel aus Italien vom AC Florenz eingeschlagen hat, hat auch Joachim Löw wohlwollend zur Kenntnis zu genommen. So wohlwollend, dass der Bundestrainer dem klassischen Mittelstürmer in den beiden letzten Länderspielen des Jahres am Freitag in Paris gegen Frankreich sowie vier Tage später in Hannover gegen die Niederlande noch einmal ein Comeback im Weltmeister-Ensemble ermöglicht. «Er hat sich die Chance verdient, seine Qualitäten auch bei uns unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass er eine Option in unserer Offensive ist», sagte Löw.

14 Monate liegt das 60. und bislang letzte Länderspiel von Gomez zurück. Erfreulich verlief es nicht. Deutschland verlor in Düsseldorf die Neuauflage des WM-Endspiels gegen Argentinien mit 2:4. Und Gomez vergab zwei Torchancen, danach erntete er im DFB-Trikot einmal mehr unbarmherzige Pfiffe des Publikums. «Ich glaube, es ist auch ein Stück weit mittlerweile normal», sagte er anschließend frustriert.

Der Frust ist verflogen. Jetzt lockt der x-te Neubeginn nach viel Verletzungspech und der Enttäuschung über die verpasste WM 2014 in Brasilien. «Spaß» erhofft sich Gomez vom Länderspiel-Comeback. Er will sich für die Europameisterschaft 2016 in Position bringen. «Die EM wäre eine geile Sache», ein Triumph in Frankreich «gigantisch».

Über Gomez' Rückkehr freuen sich auch Kollegen wie sein früherer Bayern-Kumpel Jérôme Boateng. «Mario hat sich das verdient. Dass er im Sechzehner ein Topstürmer ist, hat er schon über Jahre bewiesen», sagte der Innenverteidiger. Das letzte Länderspieltor von Gomez liegt allerdings inzwischen über drei Jahre zurück: Am 13. Juni 2012 erzielte der Angreifer beide Treffer beim 2:1-Sieg gegen Holland - jetzt auch wieder Gegner - im EM-Gruppenspiel in Charkow.

Spielrhythmus, Selbstbewusstsein, Sicherheit vorm Tor - diese zentralen Voraussetzungen sieht Löw bei der EM-Option Gomez wieder gegeben. «Dann kann er für jede Mannschaft wertvoll sein, natürlich auch für uns», sagte Löw. Mit seinen 25 Länderspieltoren rangiert Gomez immer noch auf Platz vier der Schützenliste unter Löw; hinter Miroslav Klose (42), Lukas Podolski (35) und Thomas Müller (30).

Die Rückkehr von Gomez wird die Stürmer-Diskussion im Land des Weltmeisters neu befeuern. Ein klassischer Torjäger könnte auch im System Löw, in dem spielende Neuner wie der aktuell verletzte Mario Götze en vogue sind, in gewissen Turniersituationen nützlich sein. «Ich finde, in manchen der letzten Spiele hätte ein Stürmer gutgetan», bemerkte Gomez im «Kicker»-Interview.

Selbst Löw hatte zum Ende der holprigen EM-Qualifikation eingestanden: «Wir sind zur Zeit nicht mehr so tödlich für den Gegner wie wir es schon mal waren.» Toreschießen nennt Gomez als seine «erste Qualität». Beim Comeback im DFB-Team will er sie zeigen.